Krieg in der Ukraine I

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Der Menschenhandel geht um …

Wir erleben gerade die schlimmste humanitäre Katastrophe seit dem Zweiten Weltkrieg. All die Schicksale, die betroffenen Menschen, ob Kinder, Frauen, Männer, Alte oder Kranke, aber auch die Haustiere und die Landwirtschaft – einfach das ganze Leben selbst – es ist schwer dafür überhaupt die richtigen Worte zu finden. Die vielen Facetten der Gewalt und Zerstörung, die physischen und psychischen Schäden für Hunderttausende sind noch gar nicht absehbar. Und unter all dem Chaos machen sich die Menschenhändler dreist an ihr kriminelles Werk.

Bei vielen fachspezifischen NGO’s in Europa schrillen die Alarmglocken. Erste Berichte von den unzähligen Fluchtruten lassen Böses erahnen. Dort wo es um das nackte Überleben geht, setzt der rationale Verstand bei manchen aus.

„Es sind meistens Frauen, Frauen mit Kindern, ältere Menschen, die tagelang gegangen sind, die stundenlang gewartet haben, die ihre Familie zurückgelassen haben in der Ukraine, ihre Männer sind geblieben und befinden sich in Gefahr. Die Menschen sind unter Schock. Sie haben schreckliche Situationen erlebt und leiden unter Stress und Trauma. Es ist verständlich, dass sie Angst haben.“ berichtet Andrea Najvirtova von der Hilfsorganisation People in Need

Menschen werden leichter psychisch verwundbar, weil sie vom Stress überfordert sind. Erst eine überteuerte Mitfahrgelegenheit, dann eine „sichere“ Unterkunft und am Schluss sexualisierte Gewalt. Die Spirale des Menschenhandels hat durch den Krieg in der Ukraine einen neuen, gewaltigen Antrieb bekommen.

Doch damit kommt es auch zu skurrilen Situationen, wenn etwa im Fall des Nürnberger Busunternehmers Eichhorn. Dieser fuhr mit seinem Team und drei Bussen voll mit Medikamenten, Hygieneartikeln, Decken, Schlafsäcken und Lebensmitteln, finanziert vor allem durch lokale Spenden. Auf dem Rückweg hätten 164 geflüchtete Menschen Platz in den Bussen gehabt. Doch dann die Ernüchterung: Kaum einer wollte mitfahren. Vor allem die Frauen hatten Angst.

Denn ein böses Gerücht kursiert in den Auffanglagern seit Tagen: Die Deutschen nähmen zwar Frauen und Kinder mit, wurde da erzählt, aber die Frauen würden zur Prostitution gezwungen. Frauen, die zu alt dafür seien, setzten Menschenhändler im Niemandsland aus. Gegen dieses Gerücht sei er nicht angekommen, berichtet Eichhorn. Alle in seinem Team hätten sich registrieren lassen, ihre Ausweise vorgezeigt, hätten mit den polnischen Soldaten zusammengearbeitet. Doch weder diese Sicherheitsmaßnahmen noch die Psychologin oder der Dolmetscher, die der Busunternehmer mit dabei hatte, konnten die Angst der Frauen zerstreuen.

Zwei Drittel der Plätze in den Bussen blieben also frei. Marco Eichhorn war enttäuscht und ernüchtert, auch wenn er natürlich Verständnis für die Angst der Frauen hat. „Weil man sieht das Leid, das da vor Ort ist, möchte ihnen helfen“, sagt er. Das Lager sei zwar bestens organisiert, so sein Eindruck, doch die Geflüchteten, vor allem Frauen und Kinder, lägen dicht an dicht auf Feldbetten, ohne jede Privatsphäre und ohne die Möglichkeit, sich zu waschen.

Auch Kinder und Jugendliche gehen zunehmend in die Fallen des organisierten Menschenhandels. So hat etwa EU-Innenkommissarin Ylva Johansson in eindringlichen Worten einen besseren Schutz flüchtender ukrainischer Kinder vor Menschenhändlern angemahnt. „Wir wissen, dass unbegleitete Minderjährige in solchen Situationen leider besonders gefährdet sind, Opfer von Kriminellen zu werden“, sagte Johansson im EU-Parlament. So gebe es Berichte von Straftätern, die sich seit Ausbruch des Ukraine-Kriegs als Angehörige von Waisen ausgäben und diese dann in anderen Ländern ausbeuteten. „Sie wissen ja, dass Menschenhandel das profitabelste Verbrechen überhaupt ist“, sagte Johansson an die EU-Abgeordneten gewandt. Drogen oder Waffen könne man jeweils einmal verkaufen. „Wer mit Kindern handelt, kann sie wieder und wieder und wieder und wieder verkaufen. Wir sind verpflichtet, diese Kinder zu schützen.“ Dafür müsse viel mehr getan werden als bisher.

Noch ist nicht abzuschätzen, wie viele Kinder unter den aus der Ukraine Flüchtenden seien, aber sie alle bräuchten auch nach ihrer Flucht ein Grundmaß an Normalität und müssten bald wieder zur Schule gehen können, forderte die EU-Kommissarin.

 

Quellen: RDN (redaktionsnetzwerk Deutschland), BR24.de, DerStandard, Zeit-Online.de
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