FAKTEN & HINTERGRÜNDE

Einführung

Die Geschichte vom Menschenhandel ist wahrscheinlich fast so alt wie die Menschheit – und dennoch so erschreckend aktuell, vielgestaltig und modern. Menschenhandel ist heute ein Verbrechen mit globaler Dimension, oftmals verzahnt mit Waffen- und Drogenhandel und somit ein einträgliches Geschäftsfeld der international agierenden organisierten Kriminalität.

Nach der Definition der Vereinten Nationen im Zusatzprotokoll zur Palermo-Konvention:

„… ist Menschenhandel die Ausbeutung einer Person gegen ihren Willen durch eine andere Person mit Hilfe verschiedener Mittel, wie z.B. Androhung von Gewalt, Täuschung, Betrug oder Missbrauch.“

Opfer von Menschenhandel werden also mit falschen Versprechungen und Täuschungen, durch die Androhung oder Anwendung von Gewalt oder den Missbrauch von Macht gehandelt und verkauft – damit einhergehend sind diverse Menschenrechtsverletzungen, wie Unfreiheit, Zwang, Gewalt und massive wirtschaftliche Ausbeutung. Gegenwärtig gibt es mehr Sklaverei als jemals zuvor in der Geschichte der Menschheit. Menschen werden auch heute gekauft, verkauft und wieder weiterverkauft – über Kontinente hinweg. Es ist so gut wie jedes Land davon betroffen. Die Formen von Menschenhandel finden im Verborgenen oder aber auch ganz offen statt. Die Opfer dieses Verbrechens sind in unserer Gesellschaft entweder kaum sichtbar oder werden einfach übersehen, weshalb sie nur selten die Möglichkeit haben Schutz zu erhalten oder ihre Rechte durchzusetzen. In vielen Fällen stammen aus Afrika, Asien und Ländern Osteuropas.

Verlässliche Zahlen zum Ausmaß des nationalen und internationalen Menschenhandels gibt es wegen der vielfältigen Erscheinungsformen, unterschiedlicher Erhebungsmethoden und einer großen Dunkelziffer nicht. Schätzungen gehen aber von siebenstelligen Zahlen aus.1https://weltkirche.katholisch.de/artikel/57937-weltweit-leben-50-millionen-menschen-in-moderner-sklaverei

Die Gesichter des Menschenhandels sind vielfältig und begegnen uns heute u. a. als:

  • Sexuelle Ausbeutung durch Prostitution, Pornographie und Pädophilie
  • Zwangsarbeit oder moderne Formen von Sklaverei:
    • Ausbeutung durch Betteln,
    • Anleitung zu organisierten Diebstahl,
    • Drogenkuriere,
    • häusliche Knechtschaft, wie z: B. unbezahlte Dienstboten in Privathaushalten
    • Vorenthaltung von Lohn und Dokumenten,
    • unterlassene Schutzvorschriften und – einrichtungen in der Produktion, am Bau und der Landwirtschaft.
    • Vorenthaltung ortsüblicher sozialer und sanitärer Mindeststandards.
  • Heiratshandel → Vermittlung und Verkauf von Menschen an bzw. durch sog. „Heiratsagenturen“
  • Kinderhandel → ausgehend zu kommerziellen Zwecken, wie illegale Adoptionen, über sexuelle Ausbeutung bis hin zur Rekrutierung von Kindersoldaten.
  • Organdiebstahl und -handel zu kommerziellen Zwecken.
  • Ausbeutung in der darstellenden Kunst und Musik

Fast jedes Land weltweit betroffen …

 

Unterschied zwischen Menschenhandel und Schlepperei

Der wichtigste Unterschied liegt darin, dass im Falle von Menschenhandel eine Person mit dem Vorsatz befördert wird, damit sie später am Bestimmungsort ausgebeutet werden kann. Der Akt der Schlepperei endet mit der Ankunft der MigrantInnen am Zielort.

Wichtigste transregionale Routen des Menschenhandels 2018

Opfer der Sexindustrie sind oftmals weiblich

Die Mehrheit der Betroffenen in Europa sind Frauen bzw. Mädchen. EUROSTAT veröffentlichte im Jahr 2023 einen Bericht2https://ec.europa.eu/eurostat/statistics-explained/index.php?title=Trafficking_in_human_beings_statistics, demzufolge 63% die registrierten Opfer Frauen oder Mädchen waren. Unter den registrierten Opfern war die sexuelle Ausbeutung im Jahr 2023 mit 43,8 % die vorherrschende Form der Ausbeutung. Es gab einen deutlichen Anstieg der Zahl der registrierten Opfer, die zum Zwecke der Zwangsarbeit oder Zwangsdienstbarkeit gehandelt wurden. Zwischen 2008 und 2018 lag der Anteil der Opfer, die zum Zwecke der Zwangsarbeit und Zwangsdienstbarkeit gehandelt wurden, zwischen 14 % und 21 %, ab 2019 lag er zwischen 28 % und 41 %. Organentnahme und andere ausbeuterische Zwecke, darunter Sozialbetrug, kriminelle Aktivitäten und Zwangsbettelei, lagen 2023 bei 20,2 %.

Aufteilung nach Geschlecht

Weltweit sind Frauen stärker von Menschenhandel betroffen als Männer: Frauen und Mädchen machen etwa 61 % der Betroffenen aus, Männer und Jungen: ca. 39 %. Zur Erläuterung: Der Anteil von Frauen und Mädchen ist weltweit bei sexueller Ausbeutung besonders hoch (etwa 70 %), Männer sind häufiger von Zwangsarbeit betroffen.

Global Report on Trafficking in Persons 2024

Wie kann das passieren? Die jungen Frauen und Mädchen, nicht selten Kinder, werden mit falschen Versprechungen angelockt und danach entführt oder verschleppt. Dann werden die Opfer mit Gewalt und Drohungen gegen die Familie oder nahe Angehörige oder auch mit Drogen gefügig gemacht.

Weitere einträgliche Sparten des Menschenhandels sind:


Arbeitsausbeutung und Kinderhandel

Arbeitsausbeutung und Kinderhandel nehmen weltweit stark zu!

Laut UNODC Bericht 2024 stieg die Zahl der erkannten Opfer von Menschenhandel mit Zwangsarbeit zwischen 2019 und 2022 um ca. 47 %. Der Bericht nennt weiter, dass im Jahr 2022 rund 42 % der erkannten Opfer weltweit dem Zweck „Zwangsarbeit“ zuzuordnen sind. Arbeitsausbeutung wird insbesondere genannt in Bereichen wie Bau, Landwirtschaft, Dienstleistung sowie häuslicher Arbeit, und Industrie. Sie zeigt eine deutliche Zunahme der prekären und ungeschützten Arbeitsverhältnisse – auch mitten in Europa! Beispiele dazu finden sich immer wieder in den Medien.

Kinder machten im Jahr 2022 etwa 38 % aller weltweit erkannten Opfer von Menschenhandel aus. Dabei stieg die Zahl der erkannten Kinder als Opfer zwischen 2019 und 2022 um rund 31 %, bei Mädchen sogar um etwa 38 %. Bei den Kinderopfern zeigen sich Unterschiede: Mädchen werden zu etwa 60 % für sexuelle Ausbeutung gehandelt, während Jungen zu etwa 45 % der Fälle von Zwangsarbeit betroffen sind.

Ein Bereich des Kinderhandels ist auch die illegale Adoption.

Die Situation in Österreich

Österreich fungiert mit seiner Lage in Mitteleuropa primär als Transit-, aber auch als Zielland. Nach offiziellen Einschätzungen sind in Österreich besonders sexuelle Ausbeutung, sowie Sklaverei ähnliche Zustände bei Hausangestellten und Erntehelfern, sowie Kinderhandel verbreitet. Menschenhandel zum Zweck der Arbeitsausbeutung nimmt eine untergeordnete Rolle ein.

Laut einem vom ORF publizierte Artikel wurden 2022 insgesamt 104 Opfer von Menschenhandel in Österreich identifiziert.1 Demgegenüber wurden laut einer SDG‑Indikatoren‑Erhebung für Österreich für 2022 ca. 450 Personen als registrierte Opfer von Menschenhandel gezählt;2 Ein Bericht des EMN (Europäisches Migrationsnetzwerk) berichtet von 270 Drittstaatsangehörigen, die von 2015 bis 2020 in Österreich als Betroffene identifiziert wurden.3 Laut der Plattform gegen Ausbeutung und Menschenhandel  bleibt das Dunkelfeld jedenfalls groß – offizielle Erfassungen können nur einen Teil der Fälle abbilden.