KAPOVAZ – Sklaven auf Abruf verfügbar

20160927_104834_640_x_480KAPOVAZ ist die Abkürzung für „Kapazitätsorientierte variable Arbeitszeit“ und prinzipiell eine Sonderform der Teilzeitarbeit. Wie so manche gewinnmaximierenden, die sozialen Normen unterlaufenden Arbeitsformen, ist auch diese aus den USA nun in Europa angekommen. Sie erlaubt es Betrieben sehr flexibel auf saisonale Schwankungen zu reagieren.

Im Klartext bedeutet dieses Modell für den Arbeitnehmer ständig verfügbar zu sein, jedoch dafür keinerlei Entgelt zu bekommen, denn bezahlt wird nur die tatsächlich verrichtete Arbeit. Die Zeit zwischen den Arbeitseinsätzen gilt als Freizeit und ist unbezahlt. Ein längerer Weg zur Arbeit ist somit ebenso ein großer Nachteil für den Beschäftigten, denn wo soll er dann seine zwischen den Einsätzen zu verbringende „Freizeit“ zubringen?

Besonders beliebt ist dieses Arbeitsmodell in den Dienstleistungsbereichen und im Handel. In Deutschland sollen laut Deutschem Gewerkschaftsbund (DGB) bereits 1,9 Millionen Menschen in solchen Arbeitsverhältnissen beschäftigt sein. Laut dem Bericht werden dabei oftmals arbeitsrechtliche Standards unterlaufen. Die Betriebe verlagern mit solchen Modellen das wirtschaftliche Risiko ausschließlich auf die Beschäftigten und könnten sich zudem der Entgeltfortzahlung bei Krankheit und Urlaub relativ leicht entziehen, „indem sie die Arbeit an diesen Tagen einfach nicht abrufen“, heißt es in der DGB- Untersuchung. Beispiele dafür sind etwa bei Handelsfirmen wie etwa Toys“R“us, „H&M“, „Peek-Cloppenburg“ usw., wo Mitarbeiter am Monatsanfang selten wissen, wie viel Geld sie verdienen werden. Sicher ist nur: Es wird kaum zum Leben reichen. Diese Art von Verträgen führen zu Löhnen, die oft nicht einmal die Mindestlohngrenze erreichen. Dabei ist es auch nicht möglich, sich einen zweiten Job zu suchen, denn die ständige Bereitschaft, auf Abruf zur Verfügung zu stehen, verhindert dies.

Damit sind die Arbeitnehmer de facto an den Arbeitgeber gebunden. Mit solchen schönen Arbeitsmodellen werden sie zunehmend als verfügbare („Genuss“-)Ware betrachtet, die man gebraucht und nach getaner Arbeit quasi wieder ausspuckt. Auf der Strecke bleiben die Menschlichkeit und natürlich die Würde – was zählt, ist einmal mehr, einzig der Gewinn für das Unternehmen.

In Großbritannien etwa gibt es Fälle, wo der Arbeitnehmer täglich anrufen muss, ob es Arbeit für ihn gibt. Für diese Flexibilität garantiert die Firma aber nicht einmal eine Mindestanzahl von Stunden pro Woche oder Monat. Daher der Name „NULL-STUNDEN-Vertrag“.

In Österreich ist Arbeit auf Abruf „noch“ illegal, was aber nicht heißt, dass sie nicht vorkommt, wie Gerichtsverhandlungen zeigen.

Siehe dazu auch den Artikel „Generation Prekär

Quellen: Der Standard, Welt.de,

 

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