Wwoofing entpuppt sich als Sklavenarbeit

Australia

Wenn es dich als wahren Naturfreund auf eine Ökofarm ins australische Outback zieht, hast du als WWOOFER gute Möglichkeiten, günstig zu reisen und dabei Teil einer ökologischen Community zu werden. Doch was verbirgt sich hinter dem englischen Kürzel WWOOFEN? Dieser Ausdruck steht für: World Wide Opportunities on Organic Farms (zu Deutsch: Weltweite Möglichkeiten zur Mitarbeit auf ökologischen Bauernhöfen). Die englische Dachorganisation hat mittlerweile in nahezu jedem Land der Welt eine Unterorganisation hervorgebracht, so auch in Australien. WWOOF ist also kein Reiseveranstalter, sondern ein gemeinnütziger Verbund von Biobauernhöfen weltweit. Soweit mal als Info von der Internetseite.

Wwoofing ist eine im Grunde gute Idee, doch kann sich das sehr bald als Pool für billigste Arbeitskräfte entpuppen. So zumindest kann man es schon auf mehreren Internetseiten nachlesen und nicht zuletzt wurde diese These nun durch eine Dokumentation des Australischen Fernsehens untermauert. Denn danach werden dort Ausländer mit Arbeitsvisum regelmäßig ausgebeutet. Die jungen Leute aus mehr als 30 Ländern in Europa, Nordamerika und Asien müssten teils unter sklavenähnlichen Bedingungen auf Bauernhöfen und in Fabriken schuften, berichtete das Magazin „Four Corners“ des Senders ABC.

Das Arbeitsvisa-Programm ist auch in Deutschland populär. Es erlaubt Leuten zwischen 18 und 31 Jahren, ein Jahr in Australien zu arbeiten. Zwischen Österreich und Australien besteht hingegen kein Arbeitsvisaabkommen, ein sogenanntes Working Holiday Visa Agreement.

Nicht selten sprechen die jungen Leute besonders aus dem asiatischen Raum kaum Englisch und kommen aus Ländern mit wenig Entwicklungsmöglichkeiten. Arbeitsvermittler nutzten diese Situation skrupellos aus, berichtete der Sender. Sie vermittelten sie als Billigkräfte für oft weniger als den Mindestlohn an Bauernhöfe und Fabriken.

Nach Angaben der Einwanderungsbehörde wurden in den sechs Monaten bis Ende Dezember 2014 rund 120.000 sog. „Working Holiday“-Visa gewährt, und damit zehn Prozent weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Arbeitsrechtsexpertin Joanna Howe sagte dem Sender, Australien müsse angesichts der Zustände um seinen internationalen Ruf bangen. Ein Ombudsmann, der unfaire Arbeitspraktiken untersucht, hat nach Angaben des Programms in den vergangenen neun Monaten 138 Menschen geholfen, 270.000 Euro nicht gezahlten Arbeitslohn einzufordern.

Moderne Sklaverei hat eben viele hässliche Gesichter.


Quellen: APA, ABC Net Australia, Der Standard vom 5.05.2015

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