Moderne Sklaverei – geht mich nichts an …

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„Damit habe ich nichts zu schaffen, das berührt mich doch nicht“, werden sie sagen. Klingt doch irgendwie antik nach Barbarei aus längst vergangenen Jahrhunderten, nach römischem Imperium oder nach Schwarzafrikanern, die nach Amerika und in die Karibik verschifft wurden, um dort auf Plantagen zu schuften. „Das sind doch Geschichten aus längst vergangenen Tagen, so was gibt’s heute nicht mehr, ist längst abgeschafft!“ – Oder doch nicht? Real leben heute immer noch Millionen von Menschen auf allen Kontinenten in moderner Sklaverei – auch in Europa und wahrscheinlich auch in Österreich.

Egal wie man es auch dreht und wendet, der Großteil der Versklavten schuftet für die Verbraucher in den wohlhabenden Ländern. Deshalb sollte niemand hierzulande moderne Sklaverei als ein Problem vom anderen Ende der Welt abtun, oder glauben, man habe mit der Sache ja nichts zu tun: Viele Millionen Menschen weltweit arbeiten unter Zwang für die Bedürfnisse der modernen Konsumgesellschaften. Somit lässt praktisch jeder Verbraucher hier in Europa andere unter menschenunwürdigen Bedingungen für sich arbeiten und macht sich zum Komplizen der Ausbeuterei.

Wenn sie, geschätzter Leser, nun wissen wollen, wie sehr sie persönlich diese modernen Formen der Sklaverei unterstützen, können sie das sehr einfach feststellen. Der Test „Slavery Footprint“, den die Organisation „Made in a Free World“ ins Netz gestellt hat, berechnet den Nutzern anhand ihres Besitzes und Konsumverhaltens, wie sehr sie die Ausbeutung von Erwachsenen oder sogar Kindern fördern. Die Seite stellt einfache Fragen zum Lebensstil der Nutzer: etwa wie viele Zimmer ihre Wohnung hat, oder ob sie Auto fahren, Deo, Lippenstift oder Wattestäbchen benutzen, wie viel Fleisch, Obst und Nüsse sie essen und ob sie Wein oder Kaffee trinken – also einfache Fragen zum alltäglichen Leben.

Allerdings halten bereits die Erläuterungen zum Test unangenehme und besorgniserregende Wahrheiten bereit: etwa, dass chinesische Arbeiter, mitunter täglich bis zu 21 Stunden in den Fabrikhallen sind und dort Fußbälle oder Schuhe zusammen nähen – und das durchgehend sieben Tage die Woche. Oder dass in Usbekistan jedes Jahr 1,4 Millionen Kinder gezwungen werden, zur Erntezeit Baumwolle auf den Feldern zu pflücken. Oder dass in Indien sogar Dreijährige nach dem Glimmer für Make-up und andere schimmernde Kosmetikprodukte schürfen. Laut aktuellem Sklaverei-Index der Walk Free Foundation leben derzeit 35,8 Millionen Menschen in einer Form von moderner Sklaverei, darunter Millionen Minderjährige. Schon ganz kleine Kinder werden von ihren Eltern verkauft, müssen Hausarbeit für begüterte Familien leisten, Teppiche knüpfen oder in Steinbrüchen, Fabriken, Minen und Plantagen schuften. Viele Mädchen werden in jungem Alter zwangsverheiratet – eine Praxis, die in kriegerischen Konflikten noch zunimmt, wenn Mädchen entführt und als Kriegsbeute verschachert werden. Zudem werden Kinder und Jugendliche immer häufiger Opfer von Menschenhandel und kommerzieller sexueller Ausbeutung.

Die Ergebnisse dieses Selbsttests sind ehrlich erschreckend: Ein durchschnittlicher westlicher Verbraucher beutet demnach ca. 25 Menschen aus. Je nach Lebensstil kann der Wert allerdings weit höher liegen. Bei bestimmten Rohstoffen könnten Verbraucher mit Gewissheit davon ausgehen, dass sie von Sklaven geerntet oder abgebaut wurden. Dies gelte beispielsweise für Kaffee von der Elfenbeinküste, wo Arbeitssklaven die Bohnen ernten. Besonders heikel sind Geräte und Artikel, die Mikroelektronik beinhalten, in denen eine Vielzahl von Metallen und Rohstoffen verbaut ist. Dazu zählen neben Smartphones und Handys auch moderne Kraftfahrzeuge, TV-Geräte, usw. Denn sie enthalten Bauelemente aus Coltan oder Tantal. Ein Großteil der weltweiten Produktion dieses Erzes kommt aus dem afrikanischen Kongo, wo Kinderarbeit an der Tagesordnung ist und wo die Kindersklaven in den Minen häufig in Berührung mit radioaktivem Material kommen. Darüber hinaus hat der „Coltan-Rausch“ für die Bevölkerung ähnliche soziale Folgen wie ein Goldrausch: Die Felder liegen brach, weil der Verdienst in den Bergarbeitercamps bis zu fünfmal höher als in der Landwirtschaft ist.1)1. Wikipedia

Was kann ich schon tun?

Eine gute Frage, denn sich selbst wirklich aus dem System heraus zu nehmen ist so gut wie unmöglich. Doch man kann durch bewussten Konsum zu weniger Ausbeutung beitragen. Etwa in dem man bestimmte Produkte einfach nicht mehr kauft und sich nach Ersatzprodukten umsieht, bzw. Hersteller die nicht auf saubere Herstellungsmethoden setzen boykottiert. Oder auch manche Dinge einfach länger nutzen, denn vielfach sind diese noch gebrauchsfähig, aber vielleicht nicht mehr ganz so „up-to-date“. Bei manchen Produkten hilft es, die Händler und Produzenten einfach durch gezielte Produktanfragen zu „nerven“ – etwa, ob es auch Produkte ohne Palmöl im Sortiment gibt, oder ob ich durch meinen Kauf nun moderne Sklaverei unterstütze. Hört sich jetzt vielleicht komisch an, doch viele Menschen wissen bis dato nicht einmal, dass sie in moderner Sklaverei involviert sind. Mit solchen Aktionen kann das Bewusstsein dafür geschaffen oder gestärkt werden.

Eine weitere Möglichkeit ist, sich für Produkte mit bestimmten „Fair-Siegeln“2)2. FairTrade, FairWare, UTZ, etc. zu entscheiden oder von Firmen kaufen, die sich fairen Arbeitsbedingungen verschrieben haben. Doch auch hier ist leider nicht immer alles perfekt, und es liegt noch ein weiter Weg vor uns, wie das Beispiel Smartphones zeigt. Die Produzenten des holländischen Fairphone etwa geben offen zu, dass es ihnen trotz großer Bemühungen nur teilweise gelungen sei, Sklavenarbeit zu vermeiden und ethisch unbedenkliche Elektronikgeräte herzustellen.

Höchste Zeit also, Schritte in die richtige Richtung, weg von moderner Sklaverei und Ausbeutung, zu setzen. Werden sie vom Verbraucher zum Fair_braucher. Sind sie dabei?

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References   [ + ]

1. 1. Wikipedia
2. 2. FairTrade, FairWare, UTZ, etc.

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