Palmöl – der Stoff aus dem die Träume sind

palmoilSchon seit Jahren ist der Gebrauch von Palmöl und Palmfett in der Lebensmittelindustrie auf dem Vormarsch. Durchsucht man die Regale der Supermärkte, so wird man kaum ein Nahrungsprodukt finden, indem kein Palmöl/Palmfett vorhanden ist – es scheint überall als Zugabe drin zu sein. Seine Vorteile: Es schmilzt nicht bei niedrigen Temperaturen und hat so gut wie keinen Eigengeschmack. Auch manche seiner Inhaltsstoffe sind gefragt, wobei hingegen andere (→ Glycidol) im Verdacht stehen, krebserregend zu wirken.

Was für die Lebensmittelindustrie ein Traumstoff zu sein scheint, entpuppt sich für die damit hantierenden Arbeiter als traumatisch. Wie Amnesty International in seinem neuesten Bericht erwähnt,

„verschließen diese Firmen die Augen vor der Ausbeutung von Arbeiterinnen und Arbeitern in ihrer Lieferkette. Ungeachtet der Versprechen an ihre Konsumenten, es gebe keine Ausbeutung in ihrer Palmöl-Lieferkette, profitieren große Marken weiterhin von erschütternden Missbräuchen. Unsere Untersuchungsergebnisse werden jeden Konsumenten schockieren, der mit gutem Gewissen Produkte kauft, die angeblich mit nachhaltigem Palmöl produziert worden sind.“

Meghna Abraham, Senior-Researcherin bei Amnesty International.

Für den aktuellen Bericht hat Amnesty International die Arbeitsbedingungen auf Palmöl-Plantagen in Indonesien untersucht. Die Plantagen werden vom Agrarkonzern Wilmar, mit Sitz in Singapur, geführt. Wilmar ist der weltweit größte Palmöl-Produzent, der neun multinationale Konzerne als Abnehmer dieses Palmöls hat: AFAMSA, ADM, Colgate-Palmolive, Elevance, Kellogg’s, Nestlé, Procter & Gamble, Reckitt Benckiser und Unilever. Diese Firmen liefern viele Güter unseres täglichen Gebrauchs – von Waschmittel, Zahnpaste bis hin zu Nahrungs- und Genussmitteln.

In Gesprächen mit Arbeiterinnen und Arbeitern auf den Palmölplantagen von zwei Tochterfirmen von Wilmar und drei Zulieferern auf Kalimantan und Sumatra (Indonesien) deckte Amnesty zahlreiche Formen der Ausbeutung auf:

  • Die Firmen setzen den Arbeitern extrem hohe Zielvorgaben, die sie dazu zwingen, sehr lange Arbeitsstunden zu leisten und ihre Kinder auf die Plantage mitzunehmen, die bei der Arbeit mithelfen.
  • Bereits im Alter von 8 bis 14 Jahren leisten Kinder gefährliche und körperlich harte Arbeit. Einige der Kinder müssen die Schule abbrechen, um ihren Eltern auf den Plantagen zu helfen.
  • Frauen wird gedroht, ihr Lohn werde unter das gesetzliche Minimum gekürzt, wenn sie nicht Überstunden arbeiten. In extremen Fällen erhalten die Frauen nur 2.50 US-Dollar am Tag. Ohne jeglichen Arbeitsschutz und ohne Gesundheits- oder Altersvorsorge.
  • Arbeiterinnen und Arbeiter leiden unter schweren Verletzungen durch Paraquat, einem hochgiftigen Herbizid, das trotz eines Verbots der EU und von Wilmar selbst weiterhin auf den Plantagen eingesetzt wird. Auch während der Waldbrände von August bis Oktober 2015 mussten die Arbeiterinnen und Arbeiter im Freien arbeiten, obwohl die Luftverschmutzung gesundheitsgefährdend war.

Darüber hinaus gibt es schwere Vergehen von Kinderarbeit. Der Bericht deckt auf, wie Kinder schwere und gefährliche Arbeit auf Plantagen von Tochterfirmen und Zulieferern von Wilmar leisten. Unter anderem Arbeiten ohne Schutzkleidung mit giftigen Chemikalien und Tragen schwerer Säcke mit Palmfrüchten, die jeweils zwischen 12 und 25 Kilo wiegen. Einige der Kinder haben die Schule abgebrochen, um ihren Eltern den ganzen Tag oder Halbtags auf den Plantagen zu helfen. Denn der Lohn, auch wenn er noch so gering ist und durch Kinderarbeit erwirtschaftet wird, ist für Menschen die am Existenzminimum leben überlebensnotwendig. Etwas, was hierzulande oft und gern vergessen wird.

Faktum ist, dass seit Jahren Arbeiter mit falschen Versprechungen angelockt und zu Zwangsarbeit gezwungen werden. Immer wieder wird von Hunderten von Kindern berichtet, die auf Palmölplantagen Fronarbeiten zu leisten hätten. Die indigene Bevölkerung wird teilweise von den RSPO-zertifizierten Firmen mit Gewalt vertrieben, Menschenrechtsverstöße werden kaum geahndet. Auch wird in vielen Palmölplantagen das Herbizid Paraquat eingesetzt, das jährlich zu Tausenden Vergiftungsfällen bei Plantagenarbeiterinnen und Kleinbauern führt. Paraquat ist in der Europäischen Union, der Schweiz und einigen anderen Ländern aus gesundheitlichen Gründen verboten.

Und nicht zuletzt bleibt der Urwald und seine Bewohner auf der Strecke, denn auch für sie erweist sich Palmöl als ziemlich traumatisch. Für die in Malaysien und Indonesien lebenden Orang-Utans wird der (Über-)Lebensraum trotz internationaler Schutzabkommen immer enger.

Quelle: Amnesty International, Wikipedia

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