23. August – Internationaler Tag der Erinnerung an Sklavenhandel und dessen Abschaffung

martiniqueDie UNESCO erklärte 1998 den 23. August zum Internationalen Tag der Erinnerung an den Sklavenhandel und seine Abschaffung. Auch wenn Sklaverei, so denkt man, heute durch die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte verboten ist, befinden sich immer noch etwa 21 Millionen Menschen weltweit in sklavereiähnlichen Arbeitsverhältnissen – Tendenz eher steigend.

Sklaverei hat heute viele unterschiedliche Gesichter und ändert ihr Aussehen wie ein Chamäleon. Doch dieses kann das je nach Umgebung lediglich seine Farbe wechseln kann. Moderne Sklaverei ändert hingegen Form und Ausprägung, passt sich an die jeweiligen Gegebenheiten in verschiedenen Ländern und Kontinenten an. Was trotzdem immer gleich bleibt ist die Gewinnsucht gepaart mit tiefster Menschenverachtung und Gleichgültigkeit, deren Auswirkungen nur mit Folter und Todesstrafe vergleichbar sind.

Die modernen Formen der Sklaverei gibt es auf allen Kontinenten – und ebenso in sogenannten zivilisierten Demokratien, d.h. auch im reichen Nordamerika und Europa. Sklaverei ist kein historisches Relikt, wie viele Mitmenschen bei uns meinen, das nur da und dort aufflammt in „ewig gestrigen“ Gesellschaften. Sie ist trotz des offiziellen Verbots in allen Staaten dieser Erde nie ausgerottet worden, sondern nur mehr oder weniger in den Hintergrund getreten.

Die wirklichen Zahlen vermag niemand genau zu nennen, denn infolge der Illegalität kann man nur Schätzungen heranziehen. Diese schwanken zwischen 27 und 200 Millionen. Wobei zumindest nur eine Minderheit als Sklave oder Sklavin geboren wird, denn die meisten werden erst später zu SklavInnen gemacht – auf höchst unterschiedliche Weise. Etwa wenn Menschen für geringe Kredite (etwa für Getreide oder Saatgut) mit ihrer Person haften, weil sie keine anderen Sicherstellungen anbieten können, oder weil sie, ganz aktuell, für ihre Flucht bezahlen müssen. Im Laufe der Jahre wird die Schuld größer statt geringer. Bald schon ist sie in einem Menschleben nicht mehr zurückzuzahlen. Deshalb geht sie auf die Kinder, Nachkommen oder andere Familienmitglieder über.

In den modernen Industriestaaten kommt Sklaverei seltener und versteckter vor, aber trotzdem ist sie vorhanden. Frauenhandel aus Osteuropa oder Afrika wird höchst professionell betrieben. Schätzungen zufolge werden in der EU jedes Jahr etwa 200.000 Zwangsprostituierte durch MenschenhändlerInnen an ZuhälterInnen verkauft. Ja, sie lesen richtig, der Handel wird nicht nur von Männern abgewickelt, sehr oft sind Frauen darin verstrickt und ziehen auch die Fäden.

In den Zentren Europas und anderen Großstädten werden immer wieder Fälle von sog. HaussklavInnen aufgedeckt, die zum Teil von ihren HerrInnen „importiert“ wurden. Auch Zwangsheirat etwa von Mädchen mit muslimischen Hintergrund wird als Sklaverei gewertet, weil Eltern und später der Ehemann totale Kontrolle und Verfügungsmacht ausüben. Oder man denke an die ErntehelferInnen nicht nur im Süden Europa. „Bittere Orangen“ und „saure Gurken“ sind nicht umsonst Titel einschlägiger Dokumentationen von Menschenrechtsorganisationen und engagierten Journalisten. Nach einem Bericht von Human Rights Watch etwa arbeiten Kinder aus Einwandererfamilien auf US-Großfarmen und werden dort ohne Skrupel ausgebeutet.

Meistens haben jene Länder, in denen sie massenhaft auftritt, haben große Gemeinsamkeiten. Etwa einen hohen Anteil an extrem armer Bevölkerung, bewaffnete Konflikte, geringe Bildung weiter Gesellschaftsschichten. Das Reservoir potenzieller SklavInnen ist jedenfalls groß und wird durch die Herausforderungen von bewaffneten Konflikten und religiösen Fanatismus nicht weniger. Damit sind SklavInnen heute vielleicht gleich nebenan billig zu haben, doch sie zu besitzen wird gar nicht gewünscht. Werden sie nicht mehr gebraucht, entledigt man sich ihrer einfach wieder. Waren SklavInnen in der historischen Sklaverei in vielen Regionen noch wertvoller Besitz, werden sie heute wie Wegwerfware behandelt. Die Sklaverei ist in unserer Welt mehr aktuell, als wir uns vorstellen wollen.

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