Obdachlosigkeit

2030: Schluss mit der Obdachlosigkeit in der EU

Schaut man sich ein wenig um, in den weniger gut ausgeleuchteten Ecken der Städte, dann kann man sie erkennen, die Ausgestoßenen, die Verlierer der Konsumgesellschaft, die Heim- und Obdachlosen, die unter Brücken, in Nischen, oder sonst wo auf der Straße leben müssen. Wie viele es EU weit sind kann man nur schätzen. Wahrscheinlich ist es nur wenigen bewusst, dass die EU eine entsprechende Gesetzesinitiative gegen die Obdachlosigkeit gestartet hat. In einer Entschließung vom 23. November 2020 ruft das Europäische Parlament die EU und die Mitgliedstaaten auf, Obdachlosigkeit in der Union bis 2030 zu beenden. Darin sprechen sich die EU-Abgeordneten für einen europäischen Rahmen für nationale Strategien zur Bekämpfung von Obdachlosigkeit aus. Außerdem rufen sie die Mitgliedstaaten auf, Obdachlosigkeit zu entkriminalisieren und auch weiterhin Finanzmittel zu mobilisieren, um das Problem dringend anzugehen.

Das Parlament erinnert daran, dass Wohnen ein grundlegendes Menschenrecht ist. Dennoch sind jede Nacht über 700.000 Menschen in Europa obdachlos. Somit ist die Zahl der Obdachlosen in der EU in den letzten 10 Jahren um mehr als 70 Prozent gestiegen. In Österreich betrug die Zahl der Obdachlosen 2017 um 21 Prozent mehr als noch 2008. In Deutschland wird von einer Zunahme von 64,8 Prozent zwischen 2006 und 2016 ausgegangen.

Nicht wenige dieser Menschen werden bzw. sind auch Opfer des Menschenhandels. Entweder werden sie zu „verfügbaren und verwertbaren Material“, weil sie ihre Wohnung und bisherige Erwerbsquelle verloren haben, oder sie sind „menschlicher Restmüll“, entsozialisiert und gebrochen.

Dass dies in unserer Gesellschaft überhaupt passiert, dass wir Leute auf die Straße jagen, ohne uns rechtzeitig darum zu kümmern, ist die Schande. Es gibt kaum Auffangmechanismen, die in Anspruch genommen werden können, damit die „Endstation Straße“ nicht eintritt. Und es betrifft nicht selten auch Familien und Alleinerzieherinnen – und damit Kinder.

„Selber schuld, nichts gelernt, hast halt nicht aufgepasst“, usw., sind so gängige Reaktionen der Gesellschaft, wenn sie mit Betroffenen konfrontiert wird. – Alles Blödsinn. – Ja, manche haben Schuld am eigenen Niedergang, aber auch diese könnte man noch rechtzeitig vor dem Totalabsturz auffangen. Andere wiederum kommen plötzlich und unverschuldet unter die Räder, weil ein Krankheits- oder Todesfall, eine Scheidung, ein Arbeitsplatzverlust, usw. eintritt. Aber immer mit dem selben Effekt – wohnen im nirgendwo.

Der Gedanke drängt sich auf, dass es vielleicht einfach mehr Vinzi-Containerdörfer oder ähnliches geben sollte. Die Fugger etwa waren eine super-reiche Kaufmannsfamilie am Ende des Mittelalters. In ihrer Heimatstadt Augsburg kann man noch heute die Armensiedlung besuchen. Es war und ist eine Einrichtung, um Leuten wieder auf die Füße zu helfen, die vor dem Nichts stehen. Es würde unser Wohlstandsgesellschaft sehr anstehen, dafür zu sorgen, dass solche Einrichtungen zum Standard werden – alsbaldigst und überall!

Obdachlosigkeit muss ein NO GO in der EU werden!

Quelle: EU- Parlament

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England: Mehr als 1200 Kinder Opfer moderner Sklaverei – jährlich

Das vielleicht idyllische Bild darf über die heutige Realität gefährdeter Kinder in Europa nicht hinwegtäuschen. Es gibt vielleicht mehr Kinder ohne Zukunft in Europa, als man gemeinhin denkt.

Millionen Kinder in England müssen, einem neuen Bericht zufolge, in unzumutbaren Verhältnissen aufwachsen. Ihre Zukunftsaussichten sind, gelinde gesagt, trist bis nicht vorhanden. Etwa 580.000 Mädchen und Buben sind sogar so stark gefährdet, dass der Staat einschreiten und helfen musste, wie aus dem am Dienstag veröffentlichten Bericht der Kinderbeauftragten Anne Longfield hervorging. Sie meinte, dass dies nur die Spitze des Eisbergs ist. Die Expertin geht von einer weit höheren Dunkelziffer aus. Allein dass etwa 46.000 im Alter zwischen 10 – 18 Jahren in irgendwelchen Banden organisiert und 55.000 der Schule fernbleiben, bzw. 160.000 davon überhaupt ausgeschlossen sind, ist mehr als Besorgnis errregend.

Insgesamt sollen etwa 805.000 Mädchen und Buben im Alter von fünf bis 17 Jahren laut Longfield in England unter psychischen Störungen leiden. Viele davon hätten drogen- oder alkoholabhängige Eltern, die selbst mit ihrem eigenen Leben nur schwer zurechtkommen. Das bedingt, dass etwa 120.000 als obdachlos gelten und in keinen dauerhaften Unterkünften leben.

Erschreckend, was aus dem Bericht weiter hervorgeht. So sollen 1.200 Kinder in England jedes Jahr als Opfer der modernen Sklaverei identifiziert werden . 119.000 Mädchen und Buben seien obdachlos oder lebten in unsicheren Unterkünften. Kinderbeauftragte: Der Report fasste offizielle Angaben von Behörden in England zusammen. Die Kinderbeauftragte sprach von „schockierenden“ Ergebnissen.

Der Staatssekretär für Kinder und Familien, Robert Goodwill, meinte hingegen lapidar, die Zahlen seien seit 2010 relativ konstant geblieben.

Man fühlt sich nach diesen Zeilen unwillkürlich stark an die Geschichten von Charles Dickens, etwa jener von Oliver Twist, erinnert. Nur das die obigen Fakten aufzeigen, dass die heutige Realität vielleicht noch weit ungemütlicher sein könnte – zumindest scheint sich in England nicht viel verändert zu haben. Vielleicht eine Warnung, die Situation auch in anderen europäischen Ländern genauer anzusehen und negativen Entwicklungen rechtzeitig entgegen zu arbeiten.

Quelle: APA, 4.7.2017, The Guardian

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