Redaktionsteam

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EU-Grenze: Gewalt treibt Kinder in die Hände der Menschenhändler

Ärzte ohne Grenzen (Medecins Sans Frontieres/MSF) erhebt schwere Vorwürfe gegen die EU-Grenzschutzbehörden und der Polizei an der serbischen Grenze zu Bulgarien, Kroatien sowie Ungarn. „Kinder und Jugendliche auf der Flucht sind an den Grenzen entlang der Balkanroute systematischer Gewalt ausgesetzt“, wie der am Donnerstag veröffentlichte Bericht „Games of Violence“ der Hilfsorganisation kritisiert. Der Bericht stützt sich auf medizinische Daten und Aussagen junger Patienten. Die Geschichten der Kinder und Jugendlichen „ähneln einander sehr: Die jungen Menschen werden geschlagen, gedemütigt, mit Hunden gejagt. Die körperlichen und psychischen Verletzungen, die unsere Teams behandeln, sind zum überwiegenden Teil die unmittelbaren Folgen dieser Gewalt“, erzählt Marcus Bachmann vom Wiener Büro von Ärzten ohne Grenzen in einer Aussendung. Im ersten Halbjahr hätten 92 Prozent der Kinder und Jugendlichen in MSF-Einrichtungen von solchen Misshandlungen berichtet. Knapp die Hälfte der Kinder sprach von Gewalt seitens der bulgarischen Behörden. MSF-Teams, die seit Jahresbeginn in der serbischen Hauptstadt Belgrad Migranten in inoffiziellen Lagern Betreuung anbieten, dokumentierten in den ersten sechs Monaten „62 Vorfälle vorsätzlicher Gewalt an der ungarischen Grenze und 24 Vorfälle an der kroatischen Grenzen“, heißt es in dem Bericht. Es könne nicht sein, kritisiert Bachmann, dass die EU-Staaten „vorsätzlich Gewalt gegen Kinder und junge Erwachsene einsetzen, um sie davon abzuhalten, innerhalb der EU um Asyl anzusuchen. Dieses Vorgehen hält die Kinder und Jugendliche nicht von ihrem Vorhaben ab, sondern treibt sie nur in die Hände der Schlepper und Menschenhändler, die die EU und ihre Mitgliedsstaaten vorgeben zu bekämpfen.“

Quelle: APA, 5.10.2017

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Das Dilemma der Rückführungen

Sie lachen, doch welche Zukunft haben sie vor sich?

Ein neuer Bericht von Amnesty International legt offen, was die Menschen nach ihrer Rückkehr nach Afghanistan erwartet: Gewalt, Verfolgung und Folter. Das Land ist heute so gefährlich wie schon lange nicht. In ihrem am Donnerstag veröffentlichten Bericht fordert die NGO die europäischen Staaten und die EU dazu auf, die Abschiebungen von Afghanen zu stoppen. In Interviews mit Rückkehrern und mit internationalen Helfern vor Ort sowie mit der Analyse von Statistiken zeichnet Amnesty ein Bild der Lage: In den vergangenen beiden Jahren hat sich die Zahl der Rückführungen nach Afghanistan – sowohl Abschiebungen als auch freiwillige Rückkehr – aus Europa fast verdreifacht; von 3290 auf 9460 Personen.

Gleichzeitig zeigen Zahlen der Vereinten Nationen (UN) einen Anstieg der Gewalt in Afghanistan – zivile Opfer 11.418. Allein in den ersten acht Monaten des heurigen Jahres gab es mehr als 16.290 Zwischenfälle, u.a. auch der Bombenanschlag im Mai in Kabul. Das Attentat war Anlass, dass Deutschland kurzzeitig alle Rückschiebungen nach Afghanistan einstellte. Seit September läuft die Rückschiebung aber wieder. 457 afghanische Staatsbürger wurden im ersten Halbjahr 2017 aus Österreich weggebracht. Ob in andere EU-Staaten oder nach Kabul, wird im Innenministerium nicht erfasst. Weiterlesen

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Sklaverei: neueste Erhebungen

Die Organisationen ILO (Internationale Arbeitsorganisation), IOM (International Organization for Migration) und Walk Free Foundation haben in 48 Länder neue Daten erhoben. Demnach sind nach deren Schätzung weit mehr als 40 Millionen Menschen Opfer von verschiedensten Formen der Sklaverei – wobei die Schätzung zurückhaltend erfolgte. Die Dunkelziffer liegt wahrscheinlich weit höher, denn viele der Befragten erkennen sich selbst nicht als versklavt, und der Graubereich ist enorm.

„Ein Teil unserer Kleidung und unserer Nahrungsmittel wird von Zwangsarbeitern hergestellt, ebenso werden einige der Gebäude, in denen wir leben und arbeiten, von ihnen errichtet und gereinigt“, heißt es in dem am Dienstag veröffentlichten Bericht.

Etwa 24,9 Millionen Menschen arbeiteten der Studie zufolge gegen ihren Willen in Fabriken, auf Baustellen, Farmen und Fischerbooten. Zusätzlich erfasste die Studie 15,4 Millionen Menschen, die Opfer von Menschenhandel waren oder zwangsverheiratet wurden. Demnach sind drei Viertel aller Sklaven weltweit weiblich und ein Viertel minderjährig. „Da ein großer Teil der modernen Sklaverei in Zusammenhang mit Migration steht, ist eine bessere Migrationspolitik zum Schutz von Opfern und der Verhinderung von Zwangsarbeit von fundamentaler Bedeutung“, heißt es in der Studie. Am weitesten verbreitet sei die moderne Sklaverei in Afrika sowie im Asien-Pazifik-Raum. Die ILO und die Hilfsorganisation Walk Free erhoben für die Schätzung Daten in 48 Ländern und interviewten mehr als 71.000 Menschen, dazu flossen auch Daten der IOM ein.

Quelle: APA 19.9.2017

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„Open your eyes“ – in Wien hat’s funktioniert

Wie ORF und andere Medien am Mittwoch, den 6. 9. 2017 berichteten, ist es der Polizei in Wien am Vortag  gelungen in mehreren Wohnungen im 3., 8., 10. und 16. Bezirk, ein großangelegtes Netzwerk illegaler Prostitution aufzudecken. Bei drei der Frauen gibt es laut dem Leiter der Meldestelle Prostitutionsangelegenheiten Wolfgang Langer „eindeutige Hinweise auf Zwangsprostitution und Menschenhandel“. Diese hätten etwa erzählt, dass man ihnen ihre Papiere weggenommen und sie eingeschüchtert habe. Über die Analyse von Handydaten und die Einvernahme der Vermieter beziehungsweise Eigentümer der – nunmehr polizeilich geschlossenen – Wohnungen erhofft man sich weiterführende Spuren zu den Drahtziehern des Netzwerks. Die Polizei war durch verschiedene Hinweise auf die Chinesinnen, die zwischen 25 und 50 Jahre alt sind, gestoßen. „Einerseits waren das Kunden der Frauen“, so Langer, „die haben uns gesagt, schaut da einmal hin, die schauen nicht besonders glücklich aus.“ Einige Freier hatten sich auch mit Geschlechtskrankheiten angesteckt. Andere Tipps kamen von Nachbarn und Betreibern legaler Lokale. Durch Anzeigen im Internet fand man die Wohnungen dann. Hinweise aus der Bevölkerung sind vor allem bei Zwangsprostitution und Menschenhandel häufig ein wesentlicher Bestandteil der Ermittlungserfolge.

Open your eyes

Quellen: ORF, APA, derStandard

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Bombengeschäft: Kindersoldaten

Ehemalige Kindersoldaten aus Sierra Leone und Uganda kämpften im Irak für die US-Armee – inoffiziell, denn rekrutiert wurden sie von einer privaten Firma. Solche privatwirtschaftlich organisierte „Sicherheitsunternehmen“ verdienen mit ihren Angestellten eine Menge Geld – auch mit Minderjährigen.

Aus Sicht der Regierung Sierra Leones war die Rekrutierung von ehemaligen Kindersoldaten für den Irak ein ziemlich gutes Geschäft: Man hoffte, dadurch örtliche Unruhestifter über eine gewisse Zeit loszuwerden. Nach zwei Jahren würden die Kämpfer gutes Geld verdient haben, zurückkommen und zur Stabilisierung des vom Bürgerkrieg zwischen 1991 und 2002 zerrütteten Landes beitragen. Also halfen sie mit, Männer für den Krieg auszubilden, die dann als Söldner für die USA im Irak töten sollten. Ihr Schicksal zeigte die Dokumentation „Der neue Job des Kindersoldaten“, die auf Arte gesendet wurde.

Die Dänin Mette Heide schildert in dem Film, wie sehr private Militärunternehmen inzwischen Teil der modernen Kriegsführung sind. Das Ganze ist ein Bombengeschäft, denn wer schießen kann, bekommt Arbeit.

Das Video ist noch in der Arte Videothek verfügbar.

Quelle: Der Standard/ARTE.de

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Menschenhandel: Frauen und Mädchen am häufigsten betroffen

Zum Internationalen Tag gegen Menschenhandel (→ 30. Juli) möchte Brot für die Welt die Aufmerksamkeit auf diese Verbrechen erhöhen

(Wien/OTS) – Das Gesamtausmaß der Verbrechen des Menschenhandels entzieht sich der Statistik – die meisten Fälle landen niemals vor Gericht, die Dunkelziffer ist enorm hoch. Fest steht, dass zum größten Teil Frauen und Mädchen Opfer von Menschenhandel werden. Aus der Analyse dokumentierter Fälle (UNODC, 2016) geht hervor, dass 71 % der Opfer weiblich sind. 

Meist werden Frauen zum Zweck der sexuellen Ausbeutung gehandelt. Sie werden in sklavenähnlichen Zuständen zur Prostitution gezwungen. „Für die betroffenen Frauen ist es sehr schwierig aus den Fängen der Menschenhändler zu entkommen. Kann sich eine Frau befreien, wird sie häufig von der Gesellschaft stigmatisiert“, erläutert Aleksandra Kolodziejczyk, Projektreferentin von Brot für die Welt.

Die junge Kambodschanerin Sarorn ging durch die Hölle – heute spricht sie über ihre Erfahrung mit Menschenhandel, die sie mit vielen Frauen weltweit teilt

Heute, nachdem die junge Kambodschanerin Sarorn wieder Lebensmut gefasst hat, ihr eigenes Einkommen erwirtschaftet und sich ein neues Leben aufgebaut hat, kann sie ihre Geschichte erzählen: „Ich war 14 Jahre alt, als eine Frau mittleren Alters an die Tür unserer Hütte in der abgelegenen Provinz klopfte. Sie versprach einen gut bezahlten Job in der Hauptstadt Phnom Penh. Wir lebten in bitterer Armut. In gutem Glauben nahmen wir das Angebot mit Freude an.“ Gleich nach der Ankunft in der Hauptstadt platzten alle Träume: Sie wurde an ein Bordell verkauft, wie eine Sklavin behandelt und zur Prostitution gezwungen. Sämtliche Fluchtversuche scheiterten.

Brot für die Welt kämpft gegen Menschenhandel in Kambodscha

Gemeinsam mit der Partnerorganisation AFESIP Fair Fashion unterstützt Brot für die Welt Frauen, die Opfer von Menschenhandel geworden sind, ein selbstbestimmtes Leben aufzubauen. Psychologische Betreuung, eine Ausbildung als Näherin und schließlich ein geregeltes Einkommen in der Nähwerkstatt gaben auch Sarorn wieder neuen Lebensmut. AFESIP Fair Fashion bietet Frauen einen sicheren und fairen Arbeitsplatz mit angemessenen Arbeitszeiten, gerechter Entlohnung, Kranken- und Unfallversicherung.

„Betroffene brauchen ein sicheres und ermächtigendes Umfeld, um wieder Selbstvertrauen aufzubauen. Natürlich gehört dazu auch die Anerkennung der Straftat durch die Justizbehörden und die Verurteilung der Täter“, betont Aleksandra Kolodziejczyk. Ebenso ist eine Stärkung des Bewusstseins in der Öffentlichkeit und innerhalb der Polizei nötig, damit die Verbrechen aufgezeigt werden und Betroffene die notwendige Unterstützung erhalten. „Die gesellschaftliche Stigmatisierung der Frauen erschwert die Rückkehr in ein normales Leben“, so Aleksandra Kolodziejczyk weiter.

Weltweite Projekte um Frauenrechte zu stärken

In Phnom Penh konnte durch das Projekt bereits vielen Frauen ein Neuanfang ermöglicht werden. Auch anderorts unterstützt Brot für die Welt Projekte, um die Rechte von Frauen zu stärken. Denn weltweit stoßen Frauen bis heute in vielen Bereichen auf Unterdrückung, Ausbeutung und Benachteiligung. Brot für die Welt unterstützt Frauen darin, ihr Leben auf lange Sicht selbst gestalten zu können: Schul- und Berufsbildung und der Schutz vor Gewalt sind dabei Grundpfeiler für ein selbstbestimmtes Leben.

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Tabuthema: Sugar Mamas

Das Magazin Biber (→ „biber“ bedeutet auf türkisch „Pfefferoni“ und auf serbokroatisch „Pfeffer“) berichtet in seiner neuesten Ausgabe über ein Thema, welches hierzulande mehr als Tabu ist. Es geht um die Beziehung von Frauen im fortgeschrittenem Alter zu jüngeren Männern – und hier im speziellen zu Männern, die Flüchtlinge sind und sich in Ausnahmesituationen befinden.

Die Flüchtlingswelle im Jahr 2015 brachte es mit sich, dass u.a. auch eine große Anzahl junger Männer nach Österreich kam. Die Medien berichteten damals ausführlich darüber und schürten nicht selten die „verborgenen Ängste der Bevölkerung“, die bis dato unterschwellig für den laufenden Wahlkampf herhalten müssen. Doch zurück zu den eigentlich Betroffenen, den jungen männlichen Flüchtlingen. Diese hatten vor ihrem Weggang aus der Heimat eine Arbeit, szanden in Ausbildung, hatten eine Wohnung, Geld, meist eine Freundin. Angekommen in Österreich haben sie meist nicht mehr als ihre getragene Kleidung und ein püaar Erinnerungen – also eigentlich Nichts. Echte Beziehungen zur angestammten Bevölkerung lassen sich meist nur schwer herstellen, die Barrieren von Sprache, Mentalität und Kultur sind meist enorm. Viele Menschen engagieren sich ehrenamtlich mit großem Einsatz und bieten hier ihre Hilfe an. Doch manche ältere österreichische Frauen sehen im Notstand der männlichen Flüchtlinge auch eine Möglichkeit, „mehere Fliegen mit einer Klappe“ zu erwischen. Dass diese Deals dann manchmal nicht ausgewogen sind und teilweise deutlich die Grenze zur modernen Sklaverei übertreten, zeigt der sachlich gut recherchierte Artikel von Biber auf.

Biber: Sugar-Mamas

Dazu auch ein Bericht des ORF:

 

 

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