Die aktuelle Diskussion über den Datentransfer von minderjährigen Kindern über Eltern und Familie, wirft die Frage ob deren bewussten Verantwortung im Umgang mit den sozialen Medien auf. Natürliche Schutzmechanismen, die im realen Leben meist keine Frage darstellen, scheinen in der digitalen Blase schnell in den Hintergrund zu verschwinden. Nur zu gerne wird das niedliche Foto des Nachwuchses hochgeladen, das Kurzvideo geteilt, ohne auf die Rechte des Kindes oder gar sein Einverständnis zu achten oder zu hinterfragen.
Die Realität ist einfach erschreckend, denn Recherchen zeigen, dass bereits vor mehr als zehn Jahren mehr als 80% der Kinder aus zehn Industrieländern einen digitalen Fußabdruck hatten – und dies vor ihrem zweiten Geburtstag!!! Die Fotos dieser Kinder, welche heute Jugendliche sind, schwirren noch heute irgendwo im digitalen Raum umher bzw. liegen auf irgendwelchen Servern. Ein löschen dieser Daten erweist sich als schwierig bis zu unmöglich.
Dabei geschah das Teilen dieser Bilder durch Eltern, Großeltern, Verwandten etc., nur in bester Absicht ohne die weiteren Folgen abzuschätzen. Denn auf allen Social-Media-Plattformen sind nicht nur Freunde und Verwandte unterwegs, sondern auch verschiedenartigste Kriminelle, die mit den Fotos Profit machen, sie in pädophilen Netzwerken tauschen, oder anderen verstörenden Kontexten weiter verwenden. Da kann bis hin zur Prostitution führen.
Eltern, Familienangehörige oder später die Jugendlichen selbst, liefern durch das Teilen von Fotos und Videos Informationen und potentielles Material für diese kriminellen Szenerien. Nicht selten lassen sich so relativ leicht Name, Wohnort, Schule oder Hobbys herausfinden und damit durch Täter („Freunde“) das Vertrauen erschleichen.
Grooming ist eine ganz spezielle Form der sexuellen Belästigung, die über das Betrachten pornografischer Darbietungen Minderjähriger, live mittels Webcam, bis hin zu tatsächlichem sexuellem Missbrauch führen kann. Dabei nehmen Täter über das Internet gezielt Kontakt zu Minderjährigen auf, um sie emotional zu manipulieren und in weiterer Folge sexuell auszubeuten. Oft beginnend mit harmlos wirkender Kommunikation bis hin zu schweren Übergriffen. Seit 2012 ist Grooming strafbar, dennoch bleibt es ein wachsendes, oftmals übersehenes Problem.
Parallel dazu nimmt auch die Bedrohung durch Identitätsdiebstahl zu. Cyberkriminelle nutzen psychologische Tricks wie Höflichkeit oder Hilfsbereitschaft aus, um an persönliche Daten zu gelangen. Diese werden dann missbraucht, um unter falscher Identität Konten zu eröffnen, Einkäufe zu tätigen oder sogar gezielte Rufschädigungen zu betreiben – mit teils gravierenden Folgen für die Betroffenen.
Wenn Eltern ihre Kinder im Netz schon nicht schützen, wer tut es dann?
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