Menschenhandel begegnet uns mit vielfältigen Gesichtern. Manchmal fällt es auch auf den ersten Blick gar nicht so richtig auf, den es ist „nett“ verpackt und soll zumindest auch noch „lustig“ sein.
Es geht um Menschenhandel in der Kunst, der meist durch Verächtlichmachung und Herabwürdigung der Opfer beginnt, bis hin zum Handel mit Bildern und Videomaterial von diesen. Brisantes Beispiel sind die Fälle Ulmen und Sailer, die gerade die Runde machen und den Focus auf ein bisher wenig beachtetes Genre des Menschenhandels richten.
In dem Versteckte-Kamera-Format „Mein neuer Freund“ von 2005 schlüpfte der mit dem Kinofilm „Herr Lehmann“ bekannt gewordene deutsche Moderator, Schauspieler und Teilzeit-Comedian Christian Ulmen in die Rolle verschiedener, unausstehlicher Macho-Typen. Zum Beispiel etwa Jürgen, der seine Freundin zur Telefonsex-Prostitution zwingen will. Oder Alexander, der seine Partnerin überhaupt als untertänige Sklavin betrachtet, die ihm zu Allem zu Diensten sein hatte. Das ganze war in einer Show verpackt mit der Idee dahinter, dass die Frauen, die über die versteckte Kamera Bescheid wussten, Ulmen in der Rolle des Kotzbrocken-Freundes ihren Eltern oder Freunden vorstellen mussten. Hielten die Frauen die hochgradig peinlichen Szenen, in die Ulmen sie trieb, lange genug aus, bekamen sie 10.000 Euro Preisgeld.
In den Zeitschriften feierten die ProSieben-Show damals als Art soziales Experiment. Dadurch bestärkt, drehte Ulmen 2013, diesmal für den Schrottsender Tele 5, nochmal an der Eskalationsspirale: „Who want’s to fuck my girlfriend?“ titelte ganz offen eine Show, in der Männer und Frauen ihre Girlfriends gegeneinander in einem Wettkampf antreten ließen, bis einer den Titel „Everybody wants to fuck my Girlfriend“ überreicht bekam. – Wirklich sehr unterhaltsam, oder?
Der Austropop-Sänger Christopher Seiler, der dieser Tage zugab, einer Frau gegen ihren Willen „Kokain auf die Lippen geschmiert zu haben“, und wobei Armin Wolf in der ZIB 2 im ORF noch die Frage stellte, wie dies denn ohne Gewalt gehen solle, ist der jüngste Fall von mutmaßlicher Übergriffigkeit im Kulturbetrieb. Doch Seiler fiel schon vor einiger Zeit 16 Jahren mit prollig-sexistische Gangsterrap-Songs wie den Titel „I fick sie“ auf. Doch da war das Publikum noch eher sehr überschaubar.
Es ist einfach festzuhalten, dass die Verrohung, die sich unter dem Deckmantel der Kunst sprachlich ankündigt, allzu oft im Realen fortsetzt. Wurde früher Werk und Künstlerperson immer strikt getrennt voneinander gesehen, so sind die Grenzen längst in einer Grauzone verschwunden. Es ist Zeit, das Alles nun zu hinterfragen, denn wenn sich in einem Werk reale missbräuchliche Taten widerspiegeln, dann ist es einfach abzulehnen und strafrechtlich zu prüfen
Was vor Jahren im Lateinamerikanischen Kulturraum mit den sog. „Narcocorridos“, den Liedern, die man als Balladen auf kriminelle Taten und Banden übersetzen könnte, begann, findet nun bei uns seine Fortsetzung. Denn die ins Ohr gehenden Melodien sind in Wirklichkeit huldigende und gewaltverherrlichende Lieder, die Drogenbosse heroisieren. Und bei uns wird die Erniedrigung und der Hass auf Frauen immer mehr zu einem „Normalzustand“, die teilweise zur kulturellen Volksbelustigung geadelt wird. Zeit endlich aufzuwachen und den Missstand abzustellen.
Quelle: Kolumne im Standard vom 23. 3. 2026, GSL-Auferstehungskalender 2011