Papst Franziskus fordert globale Strategie gegen Menschenhandel

Papst Franziskus traf die Teilnehmer einer Anti-Menschenhandel-Konferenz im
Vatikan

Um den Menschenhandel zu besiegen, bedarf es einer globalen Strategie. Das
sagte der Papst an diesem Samstagmittag bei einer Audienz für die Teilnehmer
einer Vatikan-Konferenz gegen Menschenhandel. Die Gespräche in den
Vatikanischen Gärten wurden von der Päpstlichen Akademie für
Sozialwissenschaften organisiert. Opfer der „modernen Sklaverei“ seien
Kinder, die als Organspender missbraucht werden; Frauen, die als
Sexsklavinnen verkauft werden; aber auch Menschen, die in Arbeitslagern
eingepfercht sind. Man dürfe auch nicht die Drahtzieher aus den Augen
verlieren, so der Papst: Hinter Menschenhandel steckten „unwürdige Profis
der Ausbeutung“, die sich auf Kosten von Menschenleben bereichern. Dabei
wendeten die Täter „viele verschiedene Arten von Gewalt“ an, um die Würde
von Menschen zu verletzen.

„Ich habe oft darauf hingewiesen, dass diese neuen Formen der Sklaverei –
also Menschenhandel, Zwangsarbeit, Prostitution, Organhandel – sehr
schlimme, kriminelle Handlungen sind. Es ist eine Plage der Menschheit von
heute!“

Ein erster wichtiger Schritt sei, sich des Problems überhaupt bewusst
werden, betonte Franziskus.

„Leider zählt in einem globalen Wirtschaftssystem wie dem unsrigen nur der
Profit, und so haben sich neue Formen der Sklaverei entwickelt, die in
gewisser Weise schlimmer und unmenschlicher als die Sklaverei der
Vergangenheit sind. Wir müssen uns dessen bewusst werden! Man will das
lieber nicht sehen, weil es so skandalös ist und politisch nicht für korrekt
gilt. Niemandem gefällt es, dass es in der eigenen Stadt, im eigenen Viertel
oder Land Formen dieser modernen Sklaverei gibt. Wir denken stattdessen
lieber, dass es doch nur andere Länder betrifft.“

Einen Ratschlag wollte der Papst seinen Zuhörern mit auf dem Weg geben: Man
müsste eine weltweite Regelung einführen, um jene zu bestrafen, die sich am
Menschenhandel mitschuldig machen. Und auf der anderen Seite müsste man auch
die Opfer dieser Sklaverei besser begleiten und in die Gesellschaft
einbinden können. Ein dritter Hinweis des Papstes: Behörden sollten jegliche
Beteiligung am Menschenhandel unterlassen. „Oft – sehr oft – werden diese
neue Formen der Sklaverei von staatlichen Institutionen beschützt statt
bekämpft, wie es eigentlich vorgesehen ist.“ Diese drei Ratschläge ergeben
sich für Papst Franziskus aus einer Lektüre der biblischen Seligpreisungen
Jesu: „Das Evangelium dient uns allen als Licht, um mit Liebe den Menschen
zu dienen. Dort, wo sich die Seligpreisungen auch im sozialen Bereich
wiederfinden, können auch Randgruppen integriert werden. Wir müssen also
eine Gesellschaft fördern, die im Lichte der Seligpreisungen steht und so
auf dem Weg zum Himmel voranschreitet, in Gemeinschaft mit den Geringsten
und Letzten unter uns.“

Artikel von Radio Vatikan vom 18.4.2015

 

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