2. Tagung gegen Menschenhandel im Vatikan

2. Tagung gegen Menschenhandel. Vatikan im April 2014

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Thema Menschhandel: Auswahl an Pressestimmen in Österreich (2013)

Die Presse:

26.3.2013:
http://diepresse.com/home/panorama/oesterreich/1381019/Osterreich-ist-mittendrin-im-Menschenhandel-
14.4.2013:
http://diepresse.com/home/panorama/welt/1388727/Immer-mehr-Opfer-von-Menschenhandel-in-der-EU
21.10.2013:
http://diepresse.com/home/panorama/welt/1467199/Menschenhandel_Per-Mausklick-in-die-Zwangsarbeit

Der Standard:

15.4.2013:
http://derstandard.at/1363708064270/Menschenhandel-nimmt-massiv-zu
26.4.2013:
http://derstandard.at/1363709361192/Menschenhandel-in-Europa-Realitaetsferner-Opferschutz
18.10.2013:
http://derstandard.at/1381368973076/Sklaverei-und-Zwangsprostitution-nehmen-weltweit-zu
20.10.2013
http://derstandard.at/1381369204721/Personell-und-finanziell-sind-uns-die-Haendler-ueberlegen
http://derstandard.at/1381369204634/Vielfach-unerkannte-moderne-Sklaverei
23.12.2013:
http://derstandard.at/1385172085706/Kinder-auch-in-Europa-Sklaven-unserer-Zeit

Kurier:
http://kurier.at/themen/Menschenhandel

Kronen Zeitung:

26.3.2013:
http://www.krone.at/Oesterreich/Menschenhaendler-Ring_in_OOe_und_der_Slowakei_gesprengt-Bordelle_beliefert-Story-356007
28.3.2013:
http://www.krone.at/Oesterreich/Menschenhaendler_zwang_Frauen_zur_Prostitution-Mindestens_20_Opfer-Story-253258
29.5.2013:
http://www.krone.at/Oesterreich/Menschenhandel._Missbrauch_Strafen_werden_erhoeht-EU-Novelle_umgesetzt-Story-363387
19.7.2013:
http://www.krone.at/Oesterreich/Menschenhaendler-Ring_gesprengt_21_Frauen_berfreit-Opfer_ausgebeutet-Story-369377

Wiener Zeitung:
16.05.2014
http://www.wienerzeitung.at/nachrichten/wien/stadtleben/630948_Alles-ging-an-die-Menschenhaendler.html

ORF:
20.5.2014
http://www.orf.at/#/stories/2230680/

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Auszüge einer internationalen Studie, 2013

Auszüge der „Internationalen Studie über die politische Linie in Bezug auf Prostitution: Österreich und die Niederlande“

vgl. H. Wagenaar, S. Altink & H. Amesberger (2013): Final Report of the International Comparative Study of Prostitution Policy: Austria and the Netherlands.

Quelle: http://issuu.com/platform31/docs/p31_prostitution_policy_report?e=5454469/3969709

 

 

Über 90% der weiblichen Prostituierten in Österreich und 70% in den Niederlanden sind Migranten. Das war auch in der Geschichte der Fall, wobei in der Vergangenheit ein großer Teil der Migration innerstaatlich war. Die Sex-Arbeit verlangt keine Diplome oder Einreisebestimmungen, die Gehälter erhält man direkt; sie ist ein Bar-Wirtschaftssystem welches im Schatten operiert, sie bedarf nur minimaler Sprachkenntnisse und sie erlaubt hohe Mobilität. Dies macht es so attraktiv für neuere Migrantinnen. (vgl. Studie S. 9)

Weibliche Asylsuchende, die auf eine Visa-Entscheidung warten, können nach österreichischem Recht de facto nur in der Prostitution arbeiten. (vgl. Studie S. 9)

Die Kriminalstatistik der Polizei in Österreich berichtet von 20 Anklagen bzgl. Menschenhandel (§ 104a StGB) und 52 Anklagen bzgl. „Grenzüberschreitendem Prostitutionshandel“ (§ 217 StGB) im Jahre 2011. Insgesamt wurden 114 Opfer von Menschenhandel von der Polizei identifiziert, und etwa 70 Fälle von diesen wurden beim Staatsanwalt eingereicht. Die Mehrheit der Opfer [waren] zwischen 18 und 40 Jahren alt. Die Mehrzahl waren Rumäninnen, Bulgarinnen, Ungarinnen und Nigerianerinnen. Die Aufklärungsquote beim Verbrechen Menschenhandel beträgt 85%, und 78,8% beim Verbrechen „Grenzüberschreitender Prostitutionshandel“ (die Aufklärungsquote gibt allerdings keine Hinweise bzgl. der Verurteilungsrate). Diese Zahlen verdeutlichen, dass

a) es wenige Anklagen in Bezug auf Menschenhandel gibt

b) es einfacher ist Anklagen unter § 217 StGB einzuordnen

c) zwei Opfer-Kategorien in den Statistiken aufscheinen

(vgl. Studie S. 21)

Zwischen 2007 und 2010 gab es in Österreich einen Anstieg von registrierten Prostituierten, auch in den Ländern Wien und Oberösterreich. 2007 wurden 1506 Prostituierte von der Polizei in Wien registriert, im Jahr 2010 waren es 2351. Das ist ein Anstieg von 56%. Im September 2012 waren 2800 Sexarbeiterinnen in Wien registriert. Das ist eine weitere Steigerung von 19%. (vgl. Studie S. 24/25)

Mobilität: Sexarbeiterinnen sind im Regelfall überaus mobil in verschiedener Art und Weise: Sie bewegen sich geographisch, von Einrichtung zu Einrichtung, von einem Typus der Prostitution zur anderen, sowohl im als auch außerhalb des Sexgewerbe. (…) Die Mobilität bedeutet große Probleme für die Administratoren, die die Prostitution regulieren möchten. Die meisten Gesetze und Regelungen benötigen eine feste Wohnadresse oder einen Arbeitsplatz. Viele Sexarbeiterinnen, besonders die Sexarbeiterinnen mit Migrationshintergrund, haben keines von beiden. (vgl. Studie S. 26)

Bezugnehmend auf die Daten aus dem Innenministerium gab es 2010 insgesamt 990 „Sex-Gewerbe-Einrichtungen“ in Österreich. Mehr als die Hälfte befinden sich in Wien (…). Diese Zahlen stellen einen beachtlichen Anstieg dar. Zwischen 2007 und 2010 hat sich die Summe aller Einrichtungen mit 13% von 879 auf 990 gesteigert. (vgl. Studie S. 30)

Zum Einstieg in die Sexarbeit: Die Gründe für die Migration und für den Einstieg in die Sexarbeit sind ziemlich ähnlich: Alle InterviewpartnerInnen erwähnen finanzielle Zwänge, Schulden und/oder der Wunsch für spezielle Waren. (…) Wie bereits erwähnt ist der Zugang zum Arbeitsmarkt in den westlichen europäischen Ländern entweder stark eingeschränkt oder nur offen in den Sektoren Niedriglohn, temporäre Arbeit und Substandard Arbeitsverträge (wie etwa in der Landwirtschaft, Reinigung oder Prostitution). (vgl. Studie S. 32)

Schlussfolgerung: Die Verbindung von Prostitution und Migration hat wichtige Konsequenzen für die politische Linie. Zuerst, Prostitution ist eine der Tätigkeit in der neue ArbeitsmigrantInnen enden. Diese Tätigkeit bedarf weniger Einstiegsanforderungen, sie offeriert Barzahlung auch außerhalb des Steuersystems, und man benötigt keinen Arbeitsvertrag womit eine hohe Mobilität ermöglicht wird. Obwohl diese Tätigkeit einen geringen Lohn, lange Arbeitszeiten und bedauerliche Arbeitskonditionen bietet, passen sie in den Lebensstil von neuen MigrantInnen. Sogar der geringe Lohn ist für viele MigrantInnen noch immer ein Vielfaches als in ihrem Herkunftsland. Dies erhärtet den Fakt, dass viele Sexarbeiterinnen in unseren Stichproben in eher positiven Termini über ihre Tätigkeit gesprochen haben, trotz der langen Arbeitszeiten und den 50% Abgaben an den Bordellbetreiber. Zweitens, neue MigrantInnen die sich in Tätigkeiten am unteren Ende des Arbeitsmarktes wiederfinden sind besonders anfällig ausgebeutet zu werden (…). (vgl. Studie S. 35)

Etwa 95% der registrierten Prostituierten in Österreich sind Migrantinnen. 2010 waren nur 7% der registriert arbeitenden Prostituierten in Wien österreichische Staatsbürgerinnen. (vgl. Studie S. 47)

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Moderne Sklaverei

Moderne Sklaverei

Der größte Anteil der heutigen 27 Millionen Sklaven, etwa 15 oder sogar 20 Millionen, lebt in Südasien. Indien ist die weltgrößte Demokratie, aber innerhalb des Landes sind mindestens zehn Millionen Menschen als Haushaltshilfen, in Zwangsehen, Zwangsprostitution und Schuldknechtschaft gefangen. Ursachen dieser Sklaverei sind u.a. extreme Armut, Diskrimination aufgrund der Zugehörigkeit zu einer Ethnie oder Kaste, Polizeikorruption und die niedrigen Verurteilungsraten von SklavenhälterInnen. Die ILO schätzt, dass heute etwa 80% der Sklaven durch „Privatagenturen“ ausgebeutet werden, und etwa 20% durch den Staat oder Rebellengruppen. Die meisten Opfer arbeiten in einfachen Tätigkeitsfeldern wie etwa der Landwirtschaft. Nur in den Industriestaaten dominiert die Ausbeutung im Sexgewerbe (Zwangsprostitution). Sklaven produzieren viele unserer täglichen Verbrauchsgüter, wie etwa Teppiche, Kakao, Wolle, Rindfleisch, Tomaten, diverse Früchte, Fisch, Gold, Diamanten, Schuhe, Reis und Kleidung.

Kindersklaven

Ein großer Anteil der weltweiten Sklavenarbeit wird von Kindern verrichtet, wie etwa die sexuelle Ausbeutung oder die Ausbeutung im landwirtschaftlichen Bereich. Die ILO schätzt, dass sich heute circa 8,4 Millionen Kinder in Schuldknechtschaft und/oder Leibeigenschaft befinden, die Mehrheit von ihnen im asiatisch-pazifischen Raum (etwa 5,5 Millionen Kindersklaven). Von diesen 8,4 Millionen Opfern sind etwa 1,2 Millionen Betroffene von Menschenhandel.

Alte und neue Sklaverei

Die Sklaverei heute ist im Gegensatz zu früher globalisiert und illegal. In der Gegenwart handelt es sich um kurze Beziehungen zwischen SklavenhändlerInnen und ihren Opfern, in der Vergangenheit waren diese Bindungen viel länger. Sklaven heute sind Wegwerfartikel. Sie kosten in der Anschaffung wenig Geld, versprechen zum selben Zeitpunkt allerdings enorme Gewinne. Heute kann man einen Sklaven um einen Spottpreis von etwa 10 US$ käuflich erwerben, im Durchschnitt kostet ein Sklave nicht mehr als 90 US$. Sklaven haben keinen freien Willen, stehen unter Kontrolle wie etwa durch Gewaltandrohung und sie werden ausgebeutet. Sie erhalten keinen oder einen geringen Lohn.

Menschenhandel

Das Verbrechen „Menschenhandel“ ist eine globale Schande der Menschheit. Jeder Kontinent und beinahe jedes Land sind davon betroffen. Opfer kommen in vielen Fällen aus Afrika und Asien. Zahlreiche Opfer von Menschenhandel bleiben in Asien, da bei diesem Verbrechen kein Verlassen des eigenen Landes notwendig ist. Jedes Jahr werden in etwa 800.000 Männer, Frauen und Kinder Opfer von Menschenhandel. Die Mehrheit der Betroffen von Menschenhandel werden Opfer der Sexindustrie, die Minderheit von Zwangsarbeit. Meist werden Menschen von ärmeren Ländern (Süden) in reiche Länder (Norden) gehandelt. Hinzu kommen regionale Besonderheiten, wie etwa in Indien, wo viele Opfer im Land selber gehandelt und ausgebeutet werden. Die ILO unterstreicht, dass die moderne Sklaverei und Menschenhandel klare Schattenseiten der Globalisierung sind.

Was tun?

Unterstützen Sie Organisationen, die Sklaverei und Menschenhandel bekämpfen. Stellen Sie PolitikerInnen unbequeme Fragen. Hinterfragen Sie bei täglichen Konsumwaren, ob diese auch fair hergestellt wurden.

Quelle: Kevin Bales

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Themenspezifisches Seminar im Vatikan

Dem Wunsch auf Papst Franziskus folgend organisierte die Päpstliche Akademie der Wissenschaften und die Päpstliche Akademie der Sozialwissenschaften gemeinsamen mit der FIAMC einen internationalen Workshop zum Thema Menschenhandel. Über 20 ExpertInnen und über 50 Gasthörer folgen der Einladung und reisen für den Workshop mit dem Titel „Menschenhandel. Moderne Sklaverei. Notleidende Menschen und die Botschaft Jesu Christi“ in die Vatikan Stadt. Dies ist ein besonders wertvolles Zeichen des Kirchenoberhauptes: Der Papst nimmt die gegenwärtige starke Bedrohung des Menschenhandels wahr und ruft gleichzeitig dazu auf, das Leid der Opfer zu hören und bei diesem Verbrechen nicht wegzuschauen.


Die Salvatorianerin Sr. Jean Schafer SDS aus den USA (Bild Mitte) nahm als Gasthörerin am Workshop teil. Sie engagiert sich seit vielen Jahren zu diesem Thema und kämpft gemeinsam mit anderen Ordensgemeinschaften für die zahlreichen Betroffenen weltweit. In ihrem neuen Rundbrief vom November 2013 mit dem Titel „Stop Trafficking!“ (deutsch: Stoppt den Menschenhandel!) erzählt sie von ihrem Seminar-Besuch in Rom. Hier ein paar Auszüge aus ihrem Rundschreiben:

(…) Eine der TeilnehmerInnen des Seminars war Prof. Magaret S. Archer. Sie beschreibt vier wesentliche Merkmale einer Sklaven Beziehung. Diese sei geprägt von einer Beherrschung, dem sozialen Tod, einer Entehrung und Degradierung und nicht zuletzt der Freilassung. In Bezug auf Punkt zwei, den sozialen Tod, sagt Archer: Der Sklave bzw. die Sklavin sei eine sozial tote Person. Völlig entfremdet von allen Rechten; Alle Sklaven erleben eine gewisse säkulare Exkommunikation.

Prof. Juan Jose Llach untermauert, dass besonders Kinder immer mehr vom Verbrechen betroffen sind. Wenn Kinder auf der Straße bzw. in Slums leben, oder aus „zerbrochenen“ Familien kommen, dann steigt das Risiko gehandelt zu werden. Junge Menschen, die „arbeitslos, ohne Bildung und ohne Lehre sind“, bilden demnach eine ernstzunehmende Risikogruppe.

Botschafter William Lacy Swing, Direktor der IOM, geht in seiner Rede näher auf die Rolle der Migration im Bereich des Menschenhandels ein: Von den sieben Milliarden Menschen dieser Erde sind etwa eine Milliarde MigrantInnen. Angst führe leider zu einer globalen Diskriminierung und Ausbeutung von MigrantInnen. Er betont, dass diese in der Praxis besser geschützt werden müssen.

Myria Vassiliadou, EU-Koordinatorin für die Bekämpfung des Menschenhandels, spricht von 23.600 Opfern in der Europäischen Union. 61 % der Betroffenen sind EU Bürger. Leider seien nur etwa 15% der Täter im Zeitraum von 2008 bis 2010 verurteilt worden (…).


Man könnte an dieser Stelle viele Inhalte aus dem Rundbrief zitieren. Wenn Sie noch mehr über den Workshop zum Thema Menschenhandel im Vatikan erfahren möchten, dann können Sie gerne in den beiden angefügten Dokumenten weitere Informationen nachlesen….

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