Kinderehen wieder im Vormarsch

Zum Internationalen Frauentag, dem 8. März, warnt Unicef, dass eine Errungenschaft des letzten Jahrzehnts – die Verhinderung von 25 Millionen Kinderehen – durch Corona ernsthaft bedroht sei. Bis zum Ende des Jahrzehnts könnten etwa zehn Millionen zusätzliche Kinderehen geschlossen werden, so eine Analyse, die Unicef laut Aussendung am Montag veröffentlicht hat. In Österreich sind laut Regierungsinformationen jährlich 200 Kinder von Zwangsehe betroffen, wobei die geschätzte Dunkelziffer weit höher liegt!

„Covid-19 hat eine bereits schwierige Situation für Millionen von Mädchen noch schlimmer gemacht“, betonte Unicef-Exekutivdirektorin Henrietta Fore. „Geschlossene Schulen, Isolation von Freundinnen und Freunden und Unterstützungsnetzwerken sowie steigende Armut haben Öl in ein Feuer gegossen, das die Welt ohnehin bereits kaum löschen konnte. Aber wir können und wir müssen die Kinderheirat vollständig abschaffen“, so Fore.

Problemzone: Geschlossene Schulen

Covid-19 hat gemäß dem Uno-Kinderhilfswerk tiefgreifende Auswirkungen auf das Leben von Mädchen. Durch die Pandemie bedingte Reisebeschränkungen und räumliche Distanz erschweren Mädchen den Zugang zu medizinischer Versorgung, sozialen Dienstleistungen und gemeinschaftlicher Unterstützung, die sie vor Kinderehen, ungewollter Schwangerschaft und geschlechtsspezifischer Gewalt schützen. Da die Schulen geschlossen bleiben, sei es wahrscheinlicher, dass Mädchen ihre Ausbildung abbrechen und nicht zum Unterricht zurückkehren werden. Arbeitsplatzverluste und erhöhte wirtschaftliche Unsicherheit könnten Familien auch dazu zwingen, ihre Töchter zu verheiraten, um die eigene finanzielle Belastung zu verringern.

Die Unicef-Exekutivdirektorin fordert sofortige Maßnahmen, um das Risiko von Zwangsheiraten zu verringern. „Durch die Wiedereröffnung von Schulen, die Umsetzung wirksamer Gesetze und einer Politik, die Sicherstellung des Zugangs zu Gesundheits- und Sozialdiensten garantiert – einschließlich geschlechtsspezifischer und fortpflanzungsmedizinischer Gesundheitsdienste. Weiters die Bereitstellung umfassender sozialer Schutzmaßnahmen für Familien, wodurch wir das Risiko eines Mädchens, dass ihr ihre Kindheit durch Kinderheirat gestohlen wird, deutlich verringern“.

In Österreich offiziell 200 Betroffene

Weltweit wurden schätzungsweise 650 Millionen heute lebende Mädchen und Frauen im Kindesalter verheiratet, etwa die Hälfte davon in Bangladesch, Brasilien, Äthiopien, Indien und Nigeria. In den letzten zehn Jahren war der Anteil junger Frauen, die als Kinder verheiratet wurden, weltweit um 15 Prozent gesunken. Das entspricht etwa 25 Millionen Ehen, die verhindert werden konnten, so Unicef.

In Österreich kein Thema – so glaubt man aber nur. Laut Regierungsquellen gibt es in Österreich jährlich 200 von Zwangsehe gefährdete oder betroffene Mädchen und Frauen. Die Dunkelziffer dürfte laut Experten jedoch weitaus höher sein. Also hat auch Österreich noch Hausaufgaben bei diesem Thema zu erledigen.

Quelle: APA 8.3.2021

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