Kinder aus Bulgarien

Große Armut, keine Ausbildung, keine Perspektiven und dazu noch kaum Kontrollen: In Bulgarien haben Menschenhändler leichtes Spiel. Tausende Jugendliche leben auf der Straße, Familien bieten ihre Kinder zum Kauf an, umd über die Runden zu kommen.

„Möchten Sie unsere Jungs kennenlernen? Jede Woche bieten wir etwas Neues an!“ Was genau unter „neu“ zu verstehen war, das ging aus der Internet-Werbung für „tolle Partys“ in der bulgarischen Hauptstadt Sofia nicht hervor. Nur die Eingeweihten wussten, dass es sich um sog. „frisches Fleisch“ handelte, um neue Mädchen und Jungen – Kinder. Es waren Kinderhändler, die sich hinter dieser Webseite versteckten, die kleine Buben wie Ware behandelten. Die Bande, die das Geschäft mit den Kindern organisiert hat, ist heute zwar hinter Gittern. Der Kinderhandel, mit all seine Abartigkeiten, aber ist längst nicht besiegt.

Inge Bell, eine deutsche Menschenrechtsaktivistin und jeweils zweite Vorsitzende der Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes und der bayrischen Vertretung der Hilfsorganisation Solwodi 1, führt seit Jahren Recherchen dazu. Anlässlich des Weltmädchentages teilte sie nachfolgendes Video auf Facebook und stellte es uns freundlicherweise zur Verfügung.

 

 

2004 hatte sie über zwangsprostituierte Mädchen aus Bulgarien dieses Video für die ARD gemacht. Es zeigt Mädchen, die Menschenhändler überall in Westeuropa zur Prostitution gezwungen hatten. Diese Mädchen sind mittlerweile erwachsene Frauen. Mit vielen von ihnen steht sie noch in Kontakt. Einige sind in der Prostitution gelandet, hoch traumatisiert. (Sie sagen den Freiern zwar, sie machen es „freiwillig“, aber ihre wahre Geschichte ist eine andere). Andere Frauen kommen gerade so mit ihrem Leben zurecht. Nur sehr wenige haben es wirklich in ein „normales“ Leben geschafft. Das aber immerhin auch mit der Unterstützung von Inge Bell. Sie hatte für dieses Heim damals Hilfsprogramme und Patenschaften organisiert. Ein Mädchen wurde auch ihr Patenkind. Auch deren zwei Töchter sind heute ihre Patentkinder. Ihre grauenvolle Geschichte ist das Geheimnis der Familie.

Leider ist Mädchenhandel nicht Vergangenheit, sondern hochaktuell – zunehmend werden auch deutsche Mädchen Opfer von sog. Loverboys und Menschenhandel. Das ist der Grund weshalb Inge Bell sich mit SOLWODI und TERRE DES FEMMES e.V. gegen Mädchenhandel und für Mädchenschutz einsetzt. Die Organisationen fordern das sogenannte „Sexkauf-Verbot“ nach dem Nordischen Modell: Anerkennung von Prostitution als Gewalt, echte Ausstiegshilfen und Freierbestrafung. Schweden, Norwegen, Irland, Island, Frankreich, Kanada und bald auch Israel praktizieren es bereits.

Ein deutscher Fernsehfilm des Regisseurs Rainer Kaufmann aus dem Jahr 2012 nimmt sich ebenfalls diese Themas an und geht ziemlich unter die Haut. Menschenhandel in jeglicher Form dürfte heute keinen Platz mehr in unserer Gesellschaft haben. Dennoch ist er weit verbreitet und begegnet uns mit vielen Gesichtern. Inge Bell sagt: „Jede/r kann was tun!“ – Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Denn es beginnt schon dort, wo nicht mehr einfach nur weggeschaut wird.

 

 

 

 

1 Wikipedia (2018): Inge Bell. Hg. v. Wikipedia. Internet. Online verfügbar unter https://de.wikipedia.org/wiki/Inge_Bell, zuletzt aktualisiert am 7. Oktober 2018 , zuletzt geprüft am 17.10.2018.

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