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Presseartikel ab 2015

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Prostitution = Menschenhandel – … oder doch nicht?

Annäherung an eine Grauzone

Grauzone – das beschreibt einen Bereich, bei dem nicht ganz klar ist, wo die Grenzen wirklich sind. Es erinnert an einen starken Nebel, wo die Konturen verschwinden und Hindernisse oder auch andere Personen plötzlich und „wie aus dem Nichts“ auftauchen und wieder verschwinden. So eine Grauzone ist auch im Bereich zwischen Menschenhandel, moderner Sklaverei und Prostitution zu finden. Die Grenzen sind nicht klar zu erkennen, eine Gleichsetzung deshalb nicht immer richtig.

Der unten angefügte Artikel „Keine Gleichsetzung von Menschenhandel und Prostitution“ versucht sich dieser komplexen Materie anzunähern und zeigt die verschiedenen Standpunkte und Realitäten auf. Denn es gibt einerseits Menschen, die verschleppt, verkauft oder mit falschen Versprechungen usw. unfreiwillig in die Prostitution gezwungen und dort ausgebeutet werden. Manche werden wie Sklaven be- bzw. gehandelt. Wobei zu beachten ist, dass lt. Definition Sklaven „aus eigenen Stücken nicht ihren Wohn- und Arbeitsplatz verlassen können“. Aber genau dies trifft speziell bei der Prostitution nicht immer zu, denn die Abhängigkeiten sind vielfältig und oft nicht einfach zu entwirren. Weshalb man mit einfacher Schwarz-Weiß-Sicht bald an Grenzen stößt, etwa wenn andere Frauen und Männer freiwillig als Sexarbeiter ihren Lebensweg wählen. Es ist eben ein nicht klar ersichtliches komplexes Spannungsfeld, wo manche tradierte Vorstellungen auf den Kopf gestellt werden. Aber lesen Sie selbst und machen Sie sich Ihr Bild:

Keine Gleichsetzung von Menschenhandel und Prostitution

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Vatikan veröffentlicht Orientierungshilfe zum Kampf gegen Menschenhandel

Das neue Vatikan-Dokument „Pastorale Orientierungen zum Menschen- handel“ ist nun auch auf Deutsch verfügbar. Außer umfangreichen Infor-mationen über Ausmaß und Ursachen des Menschenhandels enthält es auch konkrete Anregungen, wie sich Pfarreien und Einzelne dagegen engagieren und den Opfern helfen können.

Die katholische Kirche fordert einen stärkeren Einsatz gegen Menschenhandel, Zwangsprostitution und andere Formen von Ausbeutung und Sklaverei in aller Welt. Menschenhandel sei ein „verabscheuungswürdiges Übel und eine offene Wunde am Körper der heutigen Gesellschaft“, zitiert eine neue Vatikan-Orientierungshilfe, die am Donnerstag von der Deutschen Bischofskonferenz auf Deutsch veröffentlicht wurde, eine Aussage von Papst Franziskus zu dem Thema. Weiterlesen

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Wien: Leibeigene im Haushalt …

Eigentlich wurde die Leibeigenschaft in Österreich 1781/82 durch Josef II. aufgelöst, doch kommen solche Fälle auch heute immer wieder vor, wie ein aktueller Fall bestätigt. Denn ein in Wien tätiger Diplomat aus der Region Nahost soll mit seiner Frau zwei für den Haushalt angestellte Mädchen wie Leibeigene gehalten haben. Dieser Fall von „moderner“ Sklaverei wurde vom Außenministerium gegenüber der APA bestätigt. Die beiden Frauen mussten laut den Vorwürfen nicht nur viel mehr arbeiten als ausgemacht – nämlich rund um die Uhr. Darüber hinaus habe es auch kaum Ruhepausen gegeben, was zu körperlicher und seelischer Erschöpfung geführt haben soll. Zusätzlich seien sie permanenten „aggressiven Erniedrigungen“ ausgesetzt gewesen. Das habe eine weitere Bedienstete dann nicht mehr ausgehalten und einen Selbstmordversuch verübt.

Den Medien wurde ein anonymes dreiseitiges Schreiben mit detaillierten Beschreibungen der angeblichen Zustände in der diplomatische Residenz zugespielt. Demnach wurde den Mitarbeitern auch „jeglicher Respekt gegenüber der Privatsphäre und Integrität eines Menschen“ verweigert. Obwohl in dem Haus genügend Platz vorhanden gewesen wäre, hätten sie sich ein Bett teilen müssen. Überstunden, die sie über ein Jahr lang ansammelten, sowie die Nachtdienste seien nie bezahlt worden. Für Flugtickets, etwa um die Familie im Urlaub zu begleiten, mussten sie selbst aufkommen,der Betrag  wurde nie rückerstattet.

Jedes Jahr werden Fälle von Ausbeutung in Haushalten von Diplomaten bekannt. Dabei sprechen Experten von durchschnittlich fünf Fällen pro Jahr. „Es gibt hierzulande prinzipiell ein Bewusstsein darüber, dass es in dem Bereich Ausbeutung gibt“, sagt Evelyn Probst, Leiterin von LEFÖ. Regelmäßig finden etwa gemeinsame Info-Veranstaltungen mit Außenministerium und Bundeskriminalamt statt, wo Hausangestellte von Diplomaten über ihre Rechte aufgeklärt werden. Immer wieder komme es laut Probst vor, dass sich Betroffene nach so einer Informations-Veranstaltung an LEFÖ wenden. Um Missbrauch vorzubeugen, müssen Hausangestellte beim Ministerium angemeldet werden. Die Angestellten müssen außerdem ein Bankkonto bei einer österreichischen Bank eröffnen. Der Arbeitgeber muss die Überweisung des Gehalts mittels Kontoauszugs nachweisen. Die sogenannte „graue Legitimationskarte“, die auch zum Aufenthalt in Österreich berechtigt und ein Jahr gültig ist, muss ebenfalls persönlich abgeholt werden. Anlässlich der Verlängerung der Legitimationskarten werden die Angestellten in Hinblick auf allfällige Probleme durch Beamte interviewt. 105 solcher Karten für Hausangestellte sind derzeit laut Außenministerium ausgestellt. Davon sind etwa 75 Prozent Frauen und davon 50 Prozent aus den Philippinen. Treten Probleme auf, bestehen die häufigsten „Uneinigkeiten“ laut Ministerium über die Lohnhöhe, insbesondere in Hinsicht auf Überstunden.

Eine Doku aus dem Jahr 2017 zeigt die Verhältnisse phillipinischer Frauen auf und geht auch den Organisationen nach, die diese Frauen vermitteln.

Einmal mehr zeigt sich, dass das Grundübel die Armut und die Perspektivenlosigkeit im eigenen Land ist, die es den Menschenhändlerorganisationen erst ermöglicht so lukrative Geschäfte zu machen. Und diese Arten der modernen Sklaverei finden auch in unserem Land und in ganz Europa statt.

Quellen: APA, Der Standard, Kronen-Zeitung, ORF

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Sind Frauen immer nur arme passive Opfer ?

Diese Frage stellte Isabella Chen, Mitarbeiterin der Lefö-Interventionsstelle für Betroffene des Frauenhandels, in einem Artikel in der Presse vom 3.3.2019. Dabei stellt sie fest, dass vielfach falsche Bilder im Kopf die grundlegenden Ursachen von Frauenhandel verdecken. Grundsätzlich bewegt sich die Debatte über Frauenhandel im Spannungsfeld zwischen Migrationspolitik, Kriminalitätsbekämpfung und der Wahrung von Menschen- und Frauenrechten sowie dem Opferschutz.
Dabei zeigt sich, dass im gesellschaftlichen Diskurs Frauenhandel immer wieder mit dem Konzept von „illegaler Migration“ vermischt wird. Meistens beginnt es in der Rhetorik mit dem Schutz von Frauen, um dann in restriktiven Migrationsmaßnahmen zu enden. Dadurch werden Maßnahmen wie beispielsweise verstärkte Kontrollen an den Grenzen gesetzt, die den Kampf gegen Frauenhandel unterstützen sollen. Das Ziel von Menschenhändlerinnen ist aber die Ausbeutung im Zielland, weshalb Betroffene an der Grenze überwiegend nicht als solche erkannt werden können. Angeblich einfache Lösungsansätze, wie restriktive Migrationspolitik oder die Regulierung von weiblicher Arbeitsmigration zum „Schutz der Frau“, sind einseitig, ignorant und bevormundend. Vielmehr noch erhöhen repressive Migrationspolitiken die Verletzlichkeit von Migrantinnen und ermöglichen deren Ausbeutung.

Hier der ganze Artikel zur Nachlese

Frauen sind nicht arme passive Opfer

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Prostitution + Strafen: Ein echte Lösung nicht in Sicht …

Seit 2016 gelten in Frankreich per Gesetz Strafen für Freier. Nachdem einige skandinavische Länder schon früher Bußen für Sexkäufer eingeführt hatten, zog nun Frankreich mit. Es sollten nicht mehr die Prostituierten bestraft werden, sondern die Kunden, jene die nach dem Geschäft verlangen. Doch so einfach, wie das von manchen gerne gesehen wird, ist das leider nicht. Eine schnelle „aus den Augen, aus dem Sinn“ Lösung ist eben keine Lösung, wenn dieses Geschäft von der Straße bzw. der Öffentlichkeit in die Illegalität vertrieben wird. Wer glaubt, dass es dann nicht statt fände, irrt gewaltig – es wird nur intensiver und gefährlicher, da es sich jeglicher Kontrolle entzieht. Und das hilft weder den Prostituierten oder SexarbeiterInnen, noch den Kunden – sondern nur den Profiteuren dieser Art von moderner Sklaverei und Menschenhandel.

Es gibt und kann beim Thema menschliche Sexualität kein „schwarz – weiß“ Denken geben, was spätestens seit dem Erscheinen der Roman-Triologie „Fifty Shades of Greyvon E. L. James bekannt sein sollte. Ein Roman der in der Tradition etlicher Vorgänger zum Thema Sexualität und ihrer menschlichen Abgründe steht. Das diese dann Grundlage für diverse fragwürdige Geschäfte wurde, darf nicht verwundern. Denn allzu gerne übersehen wir, dass es dabei für die Profiteure im Hintergrund einzig und allein um Geld und Gewinn geht. Es ist ein großes und lukratives Geschäft, das bedient werden will. Dort wo Armut und Chancenlosigkeit regieren, wird es immer einen Markt für Versklavung und Prostitution geben. Menschen, die ein wirklich selbstbestimmtes Leben in Freiheit führen können, werden bei weitem nicht so anfällig für die Sklaverei und Prostitution sein, denn sie haben das nicht nötig.

In den beiden unten verlinkten Artikeln, die vor einigen Tagen zum Thema erschienen sind, werden die Erfahrungen mit der neuen Gesetzgebung in Frankreich und Deutschland beleuchtet. Seit gut einem Jahr gilt in allen Bordellen Deutschlands das sog. Prostituiertenschutzgesetz. Prostituierte müssen sich seitdem beim Staat anmelden, Sex ohne Kondom ist verboten. Doch viele Betroffene fühlen sich von dem Gesetz nur gegängelt – und kein Stück mehr geschützt.

Wie sehr unbegleitete Flüchtlingskinder und -jugendliche von Prostitution und sexueller Ausbeutung betroffen sind, zeigt das TV-Drama „Vermisst in Berlin“, das noch bis 7. 5. 2019 in der ZDF Mediathek nachgesehen werden kann. Dabei fahndet eine suspendierte Ermittlerin nach einem eigenen Verkehrsunfall nach einem verschwundenen Flüchtlingskind. Und schon bald gerät sie in einen Strudel aus Bürokratie, Ignoranz, Überforderung, staatlich geförderter Ausbeutung usw. – und auch Hilfsbereitschaft. Ein mögliches Spiegelbild all jener weit über zehntausend Betroffenen Kinder und Jugendlichen, die seit Beginn der großen Flüchtlingsströme in und nach Europa verschwunden sind.

Teures Pflaster für Freier

Paragraphen allein schützen nicht

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