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Presseartikel ab 2015

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Kinder auf der Flucht – einfach verschwunden …

Mehr als 50 Prozent der Kinder und Jugendlichen, welche ohne Eltern in Österreich um Asyl ansuchen, verschwinden einfach kurz nachdem sie ihren Antrag gestellt haben. Das zeigt die Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage der Abgeordneten Stephanie Krisper (Neos) durch den ehemaligen Innenminister Wolfgang Peschorn. Dabei wird das Verfahren eingestellt, bevor es offiziell zugelassen wurde. Dies geschieht laut Anfragebeantwortung dann, „wenn sich der Asylwerber dem Verfahren entzieht oder freiwillig ausreist“. Über den Verbleib dieser Kinder können die österreichischen Behörden nur spekulieren – nachgegangen wird den Fällen nicht. „Wahrscheinlich sind die meisten dieser Personen erfahrungsgemäß in ein anderes europäisches Zielland weitergereist“, heißt es dazu lapidar aus dem Ministerium. Ob dabei vielleicht auch Zwang und Menschenhandel im Spiel sind, ist nicht auszuschließen. Entsprechende Beweise und Vermutungen liegen jedenfalls seit 2016 vor.

Fakt ist, es gibt in Österreich niemanden, der für diese kinder und Jugendlichen die Obsorge innehat, also keine Person oder Behörde, die für Pflege, Erziehung und rechtliche Vertretung dieser Minderjährigen zuständig ist. „Kinderrechte gelten genauso für Kinder auf der Flucht“, kritisiert hierzu die Vorsitzende der Bundesjugendvertretung, Caroline Pavitsits, und fordert die Einhaltung der UN-Kinderrechtskonvention, also eine Übernahme der Obsorge ab dem ersten Tag.

Auf die Frage, welche Schritte die österreichischen Behörden setzen, wenn Minderjährige vermisst werden, heißt es in der Anfragebeantwortung, dass bei unter 14-Jährigen eine Vermisstenanzeige aufgegeben wird, und bei jenen, die über 14 Jahre alt sind, eine Meldung an den Obsorgeträger getätigt wird.

Was für eine Verhöhnung der Realität. „Bei unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen im Zulassungsverfahren gibt es keinen Obsorgeträger, da sich die zuständige Kinder- und Jugendhilfe (KJH) im Bezirk der Erstaufnahmestelle Traiskirchen weigert, die Obsorge zu übernehmen“, heißt es dazu von der Asylkoordination Österreich. Tatsächlich kann das Jugendamt die Obsorge aber nur bei Gefahr in Verzug einseitig übernehmen. Ansonsten muss sie bei Gericht beantragt und von einem Richter übertragen werden. Und zur Frage, wie lange unbegleitete Minderjährige durchschnittlich in Traiskirchen untergebracht sind, führt das Innenministerium keinerlei Statistiken.

Bedeutet soviel in Realität, noch bevor ein Richter oder eine möglicherweise zuständige Stelle auch nur daran denkt, ob man hier tätig werden sollte, sind die Betroffenen bereits wieder aus dem Radarbereich.

Im Regierungsprogramm der neuen türkis-grünen Regierung ist nun unter dem Kapitel Migration das Ziel enthalten, „Schutz und Rechtsstellung von geflüchteten Kindern“ zu verbessern. Insbesondere für eine „schnelle Obsorge für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge durch die Kinder- und Jugendhilfe und Berücksichtigung des Kindeswohls im Asylverfahren“ soll demnach gesorgt werden. Ob das bedeutet, dass die Obsorge in Zukunft ab dem ersten Tag übernommen werden soll, darauf will man sich im Familienministerium noch nicht festlegen. Dafür sei es zu früh, heißt es von dort, und das Thema betreffe schließlich auch noch das Innen- und Justizministerium.

Fazit: Auf der Strecke bleiben und wahrscheinlich in den Fängen von Menschenhändlern und modernen Sklavenhaltern landen Kinder und Jugendliche, die ihre Heimat und sozialen Bindungen verloren haben – und die im reichen Europa „niemand eingeladen hat“ – …

Quelle: Der Standard vom 6.2.2020

 

 

 

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Tirol: Menschenhandel und Ausbeutung als „Au-Pairs“

Acht junge Frauen, die als Au-Pairs angeheuert wurden, alle im Alter zwischen 18 und 27 Jahren sind offenbar in Tirol von einer 34-jährigen Italienerin und ihrem 26-jährigen syrischen Lebensgefährten unter sklavenähnlichen Bedingungen untergebracht und ausgebeutet worden. Die jungen Frauen aus Togo, Marokko, Madagaskar und Georgien sollen unter anderem nicht nur im Haushalt der Italienerin, sondern auch in deren Reinigungsunternehmen gearbeitet haben – ohne eine entsprechende Entlohnung.
Die beiden Verdächtigen wurden am 22. Jänner auf richterliche Anordnung festgenommen, teilte die Polizei am Freitag mit. Zudem wurden Hausdurchsuchungen durchgeführt. Dabei wurde ein niedriger dreistelliger Bargeldbetrag sichergestellt, hieß es. Am Tag darauf wurde das Paar wieder auf freien Fuß gesetzt. Die abschließenden Erhebungen sind derzeit noch im Gange.
Die jungen Frauen sollen in Einzelfällen bis zu 105 Wochenstunden gearbeitet haben. Auch sollen sie gezwungen worden sein, auf Matratzen am Boden gemeinsam mit anderen Personen zu schlafen. In zwei Fällen kam es lt. Aussagen zudem zu sexuellen Übergriffen durch eine dritte Person.
Die Frauen waren mit dem Versprechen nach Tirol gelockt worden, bei maximal 20 Stunden Wochenarbeitszeit und freien Tagen eine adäquate Unterkunft und ein angemessenes Taschengeld zu erhalten. Zudem wurde laut Landeskriminalamt der Besuch eines kostenlosen Deutschkurses in Aussicht gestellt.

Quelle: APA vom 31.01.2020

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Menschenhandel – Und die Justiz?

Zwei Fallbeispiele

  • Kranke Bettler und geständige Unschuldige

Ein 38-Jähriger und sein Vater sollen Bulgaren Jobs in Wien versprochen und sie hier ausgebeutet haben. Sie leugnen und bekennen sich vor Gericht dennoch schuldig.

Quelle: Michael Möseneder im STANDARD vom Menschenhandelsprozess

 

  • Verkaufte Roma-Kinder, Rumäniens Justiz bleibt untätig

Für die rumänische Staatsanwaltschaft schien der Fall der mutmaßlichen Anführer eines Kinderhandelsrings klar. Dennoch blieb eine Verurteilung  aus.

Quelle: Ani Sandu aus Ţăndărei, Tȃrgu Mureş, Bukarest und London im STANDARD vom
 
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Menschenhandel: Nicht nur Sexarbeit!

LeserInnen dieses Blogs wissen bereits, dass Menschenhandel  und Ausbeutung nicht nur auf den Rotlichtbereich beschränkt ist. Fast ebenso groß ist der „Geschäftsbereich“ der modernen Sklaverei durch „Zwangsarbeit“ in anderen Bereichen. Ob dies nun Frauen, Männer oder Kinder betrifft, sie sind Opfer und werden ausgebeutet und um ihr freies Leben betrogen.

Ludmila Bogdan ist promovierte Politikwissenschafterin an der Universität Wien. 2017 erhielt sie ein Max-Kade-Stipendium der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW). Damit forscht sie derzeit am Department für Soziologie der Universität Harvard zu den Themen Menschenhandel und sexuelle Ausbeutung. In einem Artikel (→ siehe unten) der heutigen Ausgabe des Standard geht sie auf diese Problematik ein. Sie zeigt auf, dass sich die Opfer meist selbst gar nicht als Opfer sehen (wollen) und nicht selten ein Verständnis über Ausbeutung und Menschenhandel bei den Betroffenen fehlt. Das macht es dann jenen kriminellen Elementen, die von diesem lukrativen Geschäftsmodell ihren Profit ziehen, noch leichter genügend „Nachschubmaterial“ zu bekommen.

Abhilfe: Bildung, Bildung und Aufklärung!

Ausbeutung und Menschenhandel: Es geht nicht immer um Sexarbeit

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29. September: 105. Weltgedenktag für Migranten und Flüchtlinge

Am kommenden Sonntag den 29. September 2019 wird weltweit der Tag der Migranten und Flüchtlinge begangen. Er soll das Bewusstsein schärfen, dass täglich Millionen Menschen – Männer, Frauen und Kinder – zu Migranten, Flüchtlingen, Vertriebenen und nicht selten damit zu Opfern des Menschenhandels werden. Die Gründe dafür sind vielschichtig, jedoch meist aufgrund von Krieg, Verfolgung und sich verschlechternden klimatischen Verhältnissen.

Papst Franziskus spricht in seiner Aussendung für den Tag von einer zunehmenden Globalisierung der Gleichgültigkeit, welche den Betroffenen neben den Schwierigkeiten, die ihre Lage an sich schon beinhaltet, oft ein negatives Urteil anheftet. Gemeint ist damit die Projektion der Ursachen gesellschaftlicher Missstände in den Aufnahmeländern hin zu den Migranten und Flüchtlingen. Diese Einstellung ihnen gegenüber ist ein Alarmzeichen, das vor dem moralischen Niedergang warnt, der einen erwartet, wenn man der Wegwerfmentalität weiterhin Raum gibt. Folgt man diesem gefährlichen Gedankenweg, so steht bald jedes Subjekt, das nicht den Maßstäben des physischen, psychischen und sozialen Wohlbefindens entspricht, in der Gefahr, an den Rand gedrängt und ausgegrenzt zu werden – also am Ende auch inländische Mitbürger in prekären Verhältnissen. Weiterlesen

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