Kinderhandel

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Kinder auf der Flucht – einfach verschwunden …

Mehr als 50 Prozent der Kinder und Jugendlichen, welche ohne Eltern in Österreich um Asyl ansuchen, verschwinden einfach kurz nachdem sie ihren Antrag gestellt haben. Das zeigt die Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage der Abgeordneten Stephanie Krisper (Neos) durch den ehemaligen Innenminister Wolfgang Peschorn. Dabei wird das Verfahren eingestellt, bevor es offiziell zugelassen wurde. Dies geschieht laut Anfragebeantwortung dann, „wenn sich der Asylwerber dem Verfahren entzieht oder freiwillig ausreist“. Über den Verbleib dieser Kinder können die österreichischen Behörden nur spekulieren – nachgegangen wird den Fällen nicht. „Wahrscheinlich sind die meisten dieser Personen erfahrungsgemäß in ein anderes europäisches Zielland weitergereist“, heißt es dazu lapidar aus dem Ministerium. Ob dabei vielleicht auch Zwang und Menschenhandel im Spiel sind, ist nicht auszuschließen. Entsprechende Beweise und Vermutungen liegen jedenfalls seit 2016 vor.

Fakt ist, es gibt in Österreich niemanden, der für diese kinder und Jugendlichen die Obsorge innehat, also keine Person oder Behörde, die für Pflege, Erziehung und rechtliche Vertretung dieser Minderjährigen zuständig ist. „Kinderrechte gelten genauso für Kinder auf der Flucht“, kritisiert hierzu die Vorsitzende der Bundesjugendvertretung, Caroline Pavitsits, und fordert die Einhaltung der UN-Kinderrechtskonvention, also eine Übernahme der Obsorge ab dem ersten Tag.

Auf die Frage, welche Schritte die österreichischen Behörden setzen, wenn Minderjährige vermisst werden, heißt es in der Anfragebeantwortung, dass bei unter 14-Jährigen eine Vermisstenanzeige aufgegeben wird, und bei jenen, die über 14 Jahre alt sind, eine Meldung an den Obsorgeträger getätigt wird.

Was für eine Verhöhnung der Realität. „Bei unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen im Zulassungsverfahren gibt es keinen Obsorgeträger, da sich die zuständige Kinder- und Jugendhilfe (KJH) im Bezirk der Erstaufnahmestelle Traiskirchen weigert, die Obsorge zu übernehmen“, heißt es dazu von der Asylkoordination Österreich. Tatsächlich kann das Jugendamt die Obsorge aber nur bei Gefahr in Verzug einseitig übernehmen. Ansonsten muss sie bei Gericht beantragt und von einem Richter übertragen werden. Und zur Frage, wie lange unbegleitete Minderjährige durchschnittlich in Traiskirchen untergebracht sind, führt das Innenministerium keinerlei Statistiken.

Bedeutet soviel in Realität, noch bevor ein Richter oder eine möglicherweise zuständige Stelle auch nur daran denkt, ob man hier tätig werden sollte, sind die Betroffenen bereits wieder aus dem Radarbereich.

Im Regierungsprogramm der neuen türkis-grünen Regierung ist nun unter dem Kapitel Migration das Ziel enthalten, „Schutz und Rechtsstellung von geflüchteten Kindern“ zu verbessern. Insbesondere für eine „schnelle Obsorge für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge durch die Kinder- und Jugendhilfe und Berücksichtigung des Kindeswohls im Asylverfahren“ soll demnach gesorgt werden. Ob das bedeutet, dass die Obsorge in Zukunft ab dem ersten Tag übernommen werden soll, darauf will man sich im Familienministerium noch nicht festlegen. Dafür sei es zu früh, heißt es von dort, und das Thema betreffe schließlich auch noch das Innen- und Justizministerium.

Fazit: Auf der Strecke bleiben und wahrscheinlich in den Fängen von Menschenhändlern und modernen Sklavenhaltern landen Kinder und Jugendliche, die ihre Heimat und sozialen Bindungen verloren haben – und die im reichen Europa „niemand eingeladen hat“ – …

Quelle: Der Standard vom 6.2.2020

 

 

 

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Menschenhandel – Und die Justiz?

Zwei Fallbeispiele

  • Kranke Bettler und geständige Unschuldige

Ein 38-Jähriger und sein Vater sollen Bulgaren Jobs in Wien versprochen und sie hier ausgebeutet haben. Sie leugnen und bekennen sich vor Gericht dennoch schuldig.

Quelle: Michael Möseneder im STANDARD vom Menschenhandelsprozess

 

  • Verkaufte Roma-Kinder, Rumäniens Justiz bleibt untätig

Für die rumänische Staatsanwaltschaft schien der Fall der mutmaßlichen Anführer eines Kinderhandelsrings klar. Dennoch blieb eine Verurteilung  aus.

Quelle: Ani Sandu aus Ţăndărei, Tȃrgu Mureş, Bukarest und London im STANDARD vom
 
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Kinder ohne Kindheit – Info zum Welttag gegen Kinderarbeit

Was ist Kinderarbeit?

Zu unterscheiden ist zwischen normalen Aufgaben, zum Beispiel im Haushalt oder in der Landwirtschaft, und echter Ausbeutung von Kindern. Für legale Beschäftigung ist in den meisten Staaten per Gesetz ein Mindestalter zwischen 14 und 16 Jahren festgelegt. Mit schädlicher Kinderarbeit sind Arbeiten gemeint, die gefährlich oder ausbeuterisch sind, die die körperliche oder seelische Entwicklung schädigen oder die Kinder vom Schulbesuch abhalten.

Welche Formen von Kinderarbeit fallen unter diesen Begriff?

Zu den schlimmsten Formen der Kinderarbeit zählen die Vereinten Nationen (ILO-Konvention Nr. 182 von 1999) Sklaverei und sklavenähnliche Abhängigkeiten, Zwangsarbeit einschließlich des Einsatzes als Kindersoldaten, Kinderprostitution und Kinderpornographie, kriminelle Tätigkeiten wie den Missbrauch von Kindern als Drogenkuriere sowie andere Formen der Arbeit, die die Sicherheit und Gesundheit der Kinder gefährden können. Fast alle Staaten der Welt haben sich auf das Ziel geeinigt, jegliche Form der Kinderarbeit bis 2025 vollständig abzuschaffen. Leider sind wir in manchen Bereichen davon noch weit entfernt. Weiterlesen

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Kindersextourismus: das BKA ersucht um Aufmerksamkeit

Mit einem Informationsfilm unter dem Titel „Nicht wegsehen“ machen die Arbeitsgemeinschaft Ecpat und das Bundeskriminalamt (BK) auf die sexuelle Ausbeutung von Kindern in Urlaubsländern aufmerksam. Die Kampagne wird bewusst anlässlich der bevorstehenden Hauptreisezeit in Ferndestinationen gestartet. Das Video gibt konkrete Hinweise für Reisende, was sie bei Auffälligkeiten tun und wie sie Verdachtsfälle melden können. Zu sehen ist der Informationsfilm am Flughafen Schwechat sowie in Zügen der ÖBB, teilte das BK am Mittwoch mit. 

Die sexuelle Ausbeutung von Kindern und Jugendlichen ist ein Verbrechen und kann nicht nur im Ausland, sondern auch im Heimatland des Täters strafrechtlich verfolgt werden. Für den Kindersextourismus gebe es zwei Arten von Straftätern, erläuterte das BK: Während die einen gezielt in ein Land fliegen und die touristische Infrastruktur ausnutzen, ergreifen Gelegenheitstäter am Zielort der Urlaubs- oder der Geschäftsreise die Möglichkeit, Mädchen oder Buben sexuell auszubeuten. Das geschieht hauptsächlich in Asien und Afrika, kommt aber auch in Europa vor. Die sexuelle Ausbeutung von Minderjährigen ist weltweit strafbar.

Im BK ist eine Meldestelle für Kinderpornografie und Kindersextourismus eingerichtet. Da sich betroffene Kinder nur sehr selten jemandem anvertrauen, ist es laut Experten von großer Bedeutung, dass Hinweise Außenstehender an die Polizei bzw. das BK weitergegeben werden. Die Meldestelle ist online unter meldestelle@interpol.at erreichbar.

Quellen: APA und derStandard 5.12.2018

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Im Kino: Angelo Soliman

Angelo Soliman in einer zeitgenössischen Darstellung

Da sind Lebensgeschichten, die so unfassbar klingen als dass man sich vorstellen könnte, dass sie sich großteils in der eigenen Heimatstadt abgespielt haben. Angelo Solimans Geschichte ist so eine: Er wurde als Kind in Afrika gefangen genommen, Sklavenhändlern verkauft und nach Europa gebracht. Hier wurde er als kaiserlicher Diener zum angesehen Teil der Wiener High-Society, umgab sich mit Leuten wie Mozart und wurde Mitglied der Freimaurer – bevor er im Tod letztendlich gehäutet und ausgestopft im Museum des Kaisers – dem Vorläufer des heutigen Naturhistorischen Museums – als „Wilder“ ausgestellt wurde.

Angelo Solimans Leben ist weit besser dokumentiert, als das von irgendeinem anderen Nicht-Europäer im Österreich des 18. Jahrhunderts. Eigentlich ist seine Geschichte schon oft erzählt worden – 2011 widmete ihm das Wien Museum sogar eine ganze Ausstellung. Aber auch, wenn er als Teil der Wiener Stadtmythologie gilt, ist sein Name den meisten Wienern heute kein Begriff mehr. Und das, obwohl seine Geschichte viel über das Österreich jener Zeit und den Umgang mit vermeintlich Fremden verrät. Dieser Umgang zeigt sich in Zügen da und dort auch noch im 21. Jahrhundert, man sollte es nicht glauben.

Angelo ist nun ein Historienfilm von Markus Schleinzer, der am 8. September 2018 im Rahmen des Toronto International Film Festivals seine Weltpremiere feierte und Ende des Monats beim Festivals Internacional de Cine de San Sebastián gezeigt wurde. Der österreichische Kinostart erfolgte am 9. November 2018. Die österreichisch-luxemburgische Koproduktion orientiert sich an der Biografie des nach Wien verschleppten Afrikaners.

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