Arbeitsausbeutung

1 2 3 9

Tirol: Menschenhandel und Ausbeutung als „Au-Pairs“

Acht junge Frauen, die als Au-Pairs angeheuert wurden, alle im Alter zwischen 18 und 27 Jahren sind offenbar in Tirol von einer 34-jährigen Italienerin und ihrem 26-jährigen syrischen Lebensgefährten unter sklavenähnlichen Bedingungen untergebracht und ausgebeutet worden. Die jungen Frauen aus Togo, Marokko, Madagaskar und Georgien sollen unter anderem nicht nur im Haushalt der Italienerin, sondern auch in deren Reinigungsunternehmen gearbeitet haben – ohne eine entsprechende Entlohnung.
Die beiden Verdächtigen wurden am 22. Jänner auf richterliche Anordnung festgenommen, teilte die Polizei am Freitag mit. Zudem wurden Hausdurchsuchungen durchgeführt. Dabei wurde ein niedriger dreistelliger Bargeldbetrag sichergestellt, hieß es. Am Tag darauf wurde das Paar wieder auf freien Fuß gesetzt. Die abschließenden Erhebungen sind derzeit noch im Gange.
Die jungen Frauen sollen in Einzelfällen bis zu 105 Wochenstunden gearbeitet haben. Auch sollen sie gezwungen worden sein, auf Matratzen am Boden gemeinsam mit anderen Personen zu schlafen. In zwei Fällen kam es lt. Aussagen zudem zu sexuellen Übergriffen durch eine dritte Person.
Die Frauen waren mit dem Versprechen nach Tirol gelockt worden, bei maximal 20 Stunden Wochenarbeitszeit und freien Tagen eine adäquate Unterkunft und ein angemessenes Taschengeld zu erhalten. Zudem wurde laut Landeskriminalamt der Besuch eines kostenlosen Deutschkurses in Aussicht gestellt.

Quelle: APA vom 31.01.2020

Share Button

Menschenhandel: Nicht nur Sexarbeit!

LeserInnen dieses Blogs wissen bereits, dass Menschenhandel  und Ausbeutung nicht nur auf den Rotlichtbereich beschränkt ist. Fast ebenso groß ist der „Geschäftsbereich“ der modernen Sklaverei durch „Zwangsarbeit“ in anderen Bereichen. Ob dies nun Frauen, Männer oder Kinder betrifft, sie sind Opfer und werden ausgebeutet und um ihr freies Leben betrogen.

Ludmila Bogdan ist promovierte Politikwissenschafterin an der Universität Wien. 2017 erhielt sie ein Max-Kade-Stipendium der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW). Damit forscht sie derzeit am Department für Soziologie der Universität Harvard zu den Themen Menschenhandel und sexuelle Ausbeutung. In einem Artikel (→ siehe unten) der heutigen Ausgabe des Standard geht sie auf diese Problematik ein. Sie zeigt auf, dass sich die Opfer meist selbst gar nicht als Opfer sehen (wollen) und nicht selten ein Verständnis über Ausbeutung und Menschenhandel bei den Betroffenen fehlt. Das macht es dann jenen kriminellen Elementen, die von diesem lukrativen Geschäftsmodell ihren Profit ziehen, noch leichter genügend „Nachschubmaterial“ zu bekommen.

Abhilfe: Bildung, Bildung und Aufklärung!

Ausbeutung und Menschenhandel: Es geht nicht immer um Sexarbeit

Share Button

Wien: Leibeigene im Haushalt …

Eigentlich wurde die Leibeigenschaft in Österreich 1781/82 durch Josef II. aufgelöst, doch kommen solche Fälle auch heute immer wieder vor, wie ein aktueller Fall bestätigt. Denn ein in Wien tätiger Diplomat aus der Region Nahost soll mit seiner Frau zwei für den Haushalt angestellte Mädchen wie Leibeigene gehalten haben. Dieser Fall von „moderner“ Sklaverei wurde vom Außenministerium gegenüber der APA bestätigt. Die beiden Frauen mussten laut den Vorwürfen nicht nur viel mehr arbeiten als ausgemacht – nämlich rund um die Uhr. Darüber hinaus habe es auch kaum Ruhepausen gegeben, was zu körperlicher und seelischer Erschöpfung geführt haben soll. Zusätzlich seien sie permanenten „aggressiven Erniedrigungen“ ausgesetzt gewesen. Das habe eine weitere Bedienstete dann nicht mehr ausgehalten und einen Selbstmordversuch verübt.

Den Medien wurde ein anonymes dreiseitiges Schreiben mit detaillierten Beschreibungen der angeblichen Zustände in der diplomatische Residenz zugespielt. Demnach wurde den Mitarbeitern auch „jeglicher Respekt gegenüber der Privatsphäre und Integrität eines Menschen“ verweigert. Obwohl in dem Haus genügend Platz vorhanden gewesen wäre, hätten sie sich ein Bett teilen müssen. Überstunden, die sie über ein Jahr lang ansammelten, sowie die Nachtdienste seien nie bezahlt worden. Für Flugtickets, etwa um die Familie im Urlaub zu begleiten, mussten sie selbst aufkommen,der Betrag  wurde nie rückerstattet.

Jedes Jahr werden Fälle von Ausbeutung in Haushalten von Diplomaten bekannt. Dabei sprechen Experten von durchschnittlich fünf Fällen pro Jahr. „Es gibt hierzulande prinzipiell ein Bewusstsein darüber, dass es in dem Bereich Ausbeutung gibt“, sagt Evelyn Probst, Leiterin von LEFÖ. Regelmäßig finden etwa gemeinsame Info-Veranstaltungen mit Außenministerium und Bundeskriminalamt statt, wo Hausangestellte von Diplomaten über ihre Rechte aufgeklärt werden. Immer wieder komme es laut Probst vor, dass sich Betroffene nach so einer Informations-Veranstaltung an LEFÖ wenden. Um Missbrauch vorzubeugen, müssen Hausangestellte beim Ministerium angemeldet werden. Die Angestellten müssen außerdem ein Bankkonto bei einer österreichischen Bank eröffnen. Der Arbeitgeber muss die Überweisung des Gehalts mittels Kontoauszugs nachweisen. Die sogenannte „graue Legitimationskarte“, die auch zum Aufenthalt in Österreich berechtigt und ein Jahr gültig ist, muss ebenfalls persönlich abgeholt werden. Anlässlich der Verlängerung der Legitimationskarten werden die Angestellten in Hinblick auf allfällige Probleme durch Beamte interviewt. 105 solcher Karten für Hausangestellte sind derzeit laut Außenministerium ausgestellt. Davon sind etwa 75 Prozent Frauen und davon 50 Prozent aus den Philippinen. Treten Probleme auf, bestehen die häufigsten „Uneinigkeiten“ laut Ministerium über die Lohnhöhe, insbesondere in Hinsicht auf Überstunden.

Eine Doku aus dem Jahr 2017 zeigt die Verhältnisse phillipinischer Frauen auf und geht auch den Organisationen nach, die diese Frauen vermitteln.

Einmal mehr zeigt sich, dass das Grundübel die Armut und die Perspektivenlosigkeit im eigenen Land ist, die es den Menschenhändlerorganisationen erst ermöglicht so lukrative Geschäfte zu machen. Und diese Arten der modernen Sklaverei finden auch in unserem Land und in ganz Europa statt.

Quellen: APA, Der Standard, Kronen-Zeitung, ORF

Share Button

Befreiung 100

Der ukrainischen Polizei ist es gelungen, knapp 100 Menschen aus moderner Sklavenarbeit zu befreien. „Die Opfer hatten über mehrere Jahre lang täglich bis zu 13 Stunden ohne Entlohnung auf Feldern eines landwirtschaftlichen Betriebes nahe Odessa gearbeitet.“, teilte die Staatsanwaltschaft am Dienstag mit. Angeworben wurden die Ukrainer aus allen Teilen der Ex-Sowjetrepublik, etwa auf Bahnhöfen und Busterminals. Versprochen wurde ihnen ein Tageslohn von umgerechnet 15 Euro, sowie freie Kost und Unterkunft. Nach deren Einverständnis zur Arbeit, seien ihnen in weiter Folge K.O. -Tropfen verabreicht worden, um ihnen heimlich Dokumente und Telefone abzunehmen. Mehr als ein Dutzend Verdächtige wurden bei einem Anwerbeversuch in Kiew festgenommen. Ihnen drohen bis zu 15 Jahre Haft. Zudem wurden Autos, Waffen und Bargeld im Wert von rund 30.000 Euro sichergestellt.

Quelle: APA vom 13.11.2018

Share Button

Digitalisierung: Clickworker

Viel wird derzeit von „Digitalisierung“ der Arbeitswelt gesprochen und wie wichtig dies für die Zukunft ist. Doch was ist es wirklich, was hier auf die Arbeitnehmer zukommt? Einige Beispiele für diese neue Arbeitswelt gibt es schon heute, doch die Wahrheit dahinter sind oft prekäre Arbeitsverhältnisse und Formen, die teilweise moderne Sklaverei sind. Insbesondere dort wo es sich um sog. „zero-hours contracts” handelt, ist die Gefahr groß, in Abhängigkeiten zu geraten, die keinen Ausweg aus der Armut zulassen. Zur Erklärung: Ein Null-Stunden-Vertrag (englisch zero-hours contract) ist ein Vertrag, bei dem die Parteien vereinbaren, dass die eine Partei Dienste für die andere Partei erbringt und dafür eine Vergütung erhält. Die Besonderheit besteht darin, dass vertraglich eine Mindestbeschäftigungszeit von null Stunden festgelegt wird. Der Dienstverpflichtete soll nur dann tätig werden, wenn der Dienstberechtigte einen entsprechenden Bedarf an der Dienstleistung hat.1

Weiterlesen

Share Button
1 2 3 9
Veranstaltungen

Es gibt derzeit keine bevorstehenden Veranstaltungen.

Archiv