Aufgedeckt: Konzern verdiente mit Sklavenarbeit

Mit der Zahlung von umgerechnet neun Millionen Euro werde der größte Prozess „wegen Sklavenarbeit in der Geschichte Brasiliens“ beigelegt, teilte das Arbeitsministerium des südamerikanischen Landes vergangenen Donnerstagabend mit. Odebrecht – ein Konzern wie eine bösartige Spinne, so jedenfalls könnte man ein Unternehmen sehen, das ein Netz aus Geheimkonten, Briefkastenfirmen und Geldwäschern über fast ganz Südamerika und Afrika spannte. Die Ermittlungen gegen den brasilianischen Bauriesen begannen 2014 und förderten nach und nach ein ausgeklügeltes System zur Zahlung von Schmiergeldern an Politiker, Parteien, Staatsbeamte und Manager zutage. Über 800 Millionen Dollar flossen, Odebrecht-Managern zufolge, seit 2001 in deren Taschen – meist nach dem sog. Kickback-Schema: Beim Bau von Straßen, Kraftwerken, Staudämmen und Fußballstadien kassierte Odebrecht überhöhte Preise. Danach floss ein Teil des Geldes als Schmiergeld in die Taschen der Politiker zurück, die den Deal möglich gemacht hatten. Nun konnte nach Jahren der Korruption und Einflussnahme ein Ende bereitet werden, doch der Odebrecht-Skandal sprengt alle Dimensionen und erschüttert derzeit ganz Lateinamerika. Wie konnte ein einziges Unternehmen so viel Macht erlangen? Eine Antwort liegt in der besonderen Geschichte des Konzerns. Odebrecht ist ein deutschstämmiger Familienbetrieb, er verkörpert eine einzigartige Mischung aus protestantischer Arbeitsethik und Mafiakultur.

Im Zuge der Recherchen war der Konzern im Jahr 2014 verklagt worden, weil er Brasilianer für „erniedrigende“ Tätigkeiten in Angola beschäftigt haben soll. Die neun Millionen Euro, die der Konzern wegen der Ausbeutung nun als Strafe zahlen muss, stellt wahrscheinlich im Vergleich zu den über Jahre erzielten Gewinnen nur eine geringe Wiedergutmachung dar. Dennoch soll die Entschädigungszahlung für Projekte in der Stadt Americo Brasiliense im Bundesstaat Sao Paulo genutzt werden, denn dort wurden die Arbeiter angeheuert. Verwickelt in den ganzen Skandal, der durch BBC-Recherchen aufgedeckt wurde, waren drei Tochterunternehmen des Odebrecht-Konzerns. Sie verpflichteten sich jetzt in der außergerichtlichen Einigung dazu, Arbeiter nicht länger „sklavenähnlichen“ Bedingungen auszusetzen und keine Brasilianer ohne gültiges Arbeitsvisum mehr im Ausland anzustellen.

Bleibt abzuwarten, ob damit das Leid der Betroffenen zu Ende ist, oder andere „Ideen“ aufkommen, die Arbeiter in Abhängigkeit und unter Kontrolle zu halten.

Quellen: APA, Spiegel.de, riotimesonline

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